Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst



UMÌNÍ

Nachdem Schmidt im Jahr 1967 mit 70 Jahren als Mitarbeiter der Staatsdruckerei in Ruhestand gegangen war, arbeitete er für diese in vielfältiger Weise weiter. In den 60er Jahren war dies genau die Zeit, in der sich die Briefmarkengestaltung wandelte, von meist einfarbigen Stichen zu mehrfarbigen Ausgaben. Dies stellte letztlich völlig neue Anforderungen an die Stecher, mussten Sie doch jetzt nicht nur Striche und Punkte bei der Umsetzung berücksichtigen, sondern auch immer die Farbigkeit der Vorlage in die Überlegungen einbeziehen. Und wer war besser geeignet, hier mit seiner reichen Erfahrung zur erfolgreichen Umorientierung seinen Beitrag zu leisten als Jindra Schmidt, war er doch - wie auf der vorigen Seite beschrieben - durch die gemeinsam mit Max Švabinský erarbeitete berühmte Schmetterlingserie von 1961 quasi ein Pionier auf diesem Gebiet. Am stärksten kam diese neue, auf mehrfarbige Drucke ausgerichtete, Briefmarkenphilosophie in den ab Mitte der 60er Jahre regelmäßig erscheinenden Serien "umìní" und "Pražský hrad" zum Ausdruck. Den Grundstein für die neuen handwerklichen Techniken legte Jiøí Švengsbír, der durch die Umsetzung von Tizians Werk Toilette einer jungen Frau Vorreiter war. Schon bald aber übernahm auch Jindra Schmidt die graphische Aufbereitung und den Stich von Briefmarken aus diesen beiden Serien. Als Beispiel soll nun am Ende dieser Abteilung Jindra Schmidts Umsetzung des Gemälde "Trh v Banskej Bystrici" des großen slowakischen Malers Dominik Skutecký vorgestellt werden.


Banska Bystrica
TRH V BANSKEJ BYSTRICI
Markt in Banská Bystrica (Neusohl)

gestochen von Jindra Schmidt
nach einem Original von Dominik Skutecký
Ölgemälde aus dem Jahr 1889, 83x114 cm
Regionalgalerie Banská Bystrica

Ausgabetag: 27. November 1970, MiNr. 1968

Skuteckýs Werk ist eine figurale Genre-Komposition, inspiriert von der heimatlichen Umgebung des Künstlers. Es wurde von ihm ursprünglich in der ungarischen Hauptstadt Budapest angesiedelt. Nach seinem Umzug zurück in seine Heimat nach Banská Bystrica veränderte Skutecký die Umgebung im Bild. Zu dem Bild gibt es auch eine Reihe von Studien. Das Bild versucht die Integration der aus Venedig zurückgekehrten Familie Skuteckýs in das soziale Umfeld der neuen/alten Heimat zu thematisieren. Die beiden Personen im Mittelpunkt stellen Skuteckýs Frau und Tochter dar. Der über beide gespannte Schirm des Marktstandes wird häufig als Skutecký selbst interpretiert, der auf diese Weise seine Familie in der neuen Umgebung zu schützen versucht. Malerisch bezeichnend sind die scharfen Licht-Schatten- Kontraste, die das Bild dominieren, die auch auf der von Schmidt gestochenen Briefmarke exzellent umgesetzt sind.

Dominik Skutecký gehört zu den ersten slowakischen Realisten des 20. Jahrhunderts. Er wurde am 14. Februar 1849 in Gajary geboren und starb am 13. März 1921 in Banská Bystrica, wo er auf dem jüdischen Friedhof begraben ist. Sein Studium absolvierte er u.a. in Wien und München. Danach lebte und arbeitete er ca. 15 Jahre lang in Venedig. 1886 kehrte er wieder zurück in seine slowakische Heimat und ließ sich endgültig in Banská Bystrica nieder. Er widmete sich in seinem Werk stark der Genre- und Porträtmalerei und beschäftigte sich dabei in erster Linie mit slowakischen Themen und dem Leben der einfachen Leute.

Titelseite * Einleitung * Anfänge * Protektorat * Routine * Höhepunkt * Umìní * Stich * Briefmarken