Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst





Kolumbus
Lange bevor erstmals ein Briefmarkenentwurf von ihm erschien, hatte Adolf Born bereits einen Namen in der Kunstszene der Tschechoslowakei. Geboren wurde er am 12. Juni 1930 in Èeské Velenice an der tschechisch-österreichischen Grenze. Nachdem seine Familie in der Zeit des Protektorats nach Prag umgezogen war, begann er zunächst ein Kunststudium an der Pädagogischen Hochschule, u.a. bei Cyril Bouda, wechselte später aber an die Hochschule für angewandte Kunst, wo v.a. Antonín Pelc, einer der bedeutendsten Karikaturisten des Landes sein Lehrer war. Durch ihn bekam er eine enge Beziehung zur Karikatur. Dieser karikaturistische Einschlag zieht sich von da an durch das gesamte Werk Borns.

Von Mitte der 50er Jahre an trat Born in den Blickpunkt der Öffentlichkeit als Schöpfer von Zeitungs- und Zeitschriftenkarikaturen und wurde einer der bedeutendsten Vertreter der Generation, die nach dem Krieg in der Tschechoslowakei die Grundlagen eines neuen Zeichenhumors legte. Mehrfach wurde er für seine Karikaturen ausgezeichnet, die in mehreren Büchern zusammengefasst wurden. Die bekanntesten sind "Nachmittage eines Clowns", "Bornographie" und "Bilderbuch der Verführungskunst" mit äußerst hintersinnigen Zeichnungen.

Seit 1964 war er als Graphiker, Zeichner und Buchillustrator tätig und konzentrierte sich vor allem auf die Lithographie. In einem Buch über ihn wird über seinen graphischen Stil geschrieben: "Das primäre Ausdrucksmittel des figuralen Erzählungsstils Borns ist die Zeichnung - unglaublich exakt, sachlich, mit deutlichen kalligraphischen Eigenschaften. Der Feder-, Pastell- und Stichelzeichnung wird die Farbkomponente untergeordnet: sie begleitet, koloriert die Zeichnung in Illustrationen, in der Graphik und seit den 80er Jahren immer häufiger in selbständigen Zeichenbildern und Pastellen."

Nach einem 1973 erlassenen Verbot der Zensurbehörden, Borns Karikaturen zu veröffentlichen, wandte sich Born dem Zeichen- und Puppentrickfilm zu. Als Co-Autor war er an mehr als 60 Zeichentrickfilmen und Animationen beteiligt. Dabei arbeitete er zunächst mit dem Regisseur Václav Bedøich zusammen und schuf gesellschaftskritisch angehauchte Filme wie beispielweise "O Prahu krásnìjší" (Für ein schöneres Prag) oder "Jak se moudrý Aristoteles stal ještì moudøejším" (Wie der weise Aristoteles noch weiser wurde). Den Höhepunkt seines Zeichentrickschaffens erreichte er in den Jahren 1976 bis 1984 als er in Zusammenarbeit mit dem Drehbuchautor Miloš Macourek und dem Animator Jaroslav Doubrava die 13-teilige Zeichentrickserie "Mach und Šebestová" drehte, die im tschechoslowakischen Fernsehen eine Riesenerfolg wurde. Eine weitere 13-teilige Serie über das Äffchen Žofka und seine Freunde im Zoo folgte in den Jahren 1986-1992.

Für sein Schaffen wurde der als "Bonvivant und Workaholic" beschriebene Künstler mehrfach ausgezeichnet. Erst nach der "Samtrevolution" von 1989 taucht Adolf Born erstmals auch als Briefmarkenentwerfer auf. Zum 500. Jahrestag der Entdeckung Amerikas schuf er eine exzellente Blockausgabe, die am 5. Mai 1992 erschien und aus der die oben abgebildete Briefmarke stammt. Inzwischen gibt es von ihm weitere 6 Ausgaben der Post der Tschechischen Republik, die aufgrund des besonderen comic-haften Stils und hintergründigen Humor Borns zwar heftig diskutiert, aber auch oft bewundert werden.