Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst





Cyril Bouda
Cyril Bouda wurde am 14. November 1901 in Kladno geboren und gilt als der perfekteste Künstler unter den tschechischen Graphikern und als Meister des Kupferstichs. Sein künstlerisches Talent bekam er quasi mit in die Wiege gelegt: sein Vater Alois war Zeichenprofessor, seine Mutter Anna stammte aus der bekannten tschechischen Bildhauer-Familie Sucharda uns sein Taufpate war kein Geringerer als MikolᚠAleš. Auch seine künstlerische Ausbildung erhielt er bei den bedeutendsten tschechischen Künstlern: von 1919-1923 studierte er bei František Kysela, danach von 1923-1926 bei Max Švabinský, was sich im Stil seiner Werke durchaus nachvollziehen lässt. Schließlich war er von 1929-1935 Assistent bei T. F. Šimon. Ab 1945 hatte er selbst als Kunstprofessor an der Pädagogischen Fakultät der Karlsuniversität in Prag großen Einfluss auf viele tschechische Künstler.

Sein breites graphisches Werk ist von einem traditionellen Stil geprägt und hat seinen Schwerpunkt in mehr als 700 Buchillustrationen. Er illustrierte eine Vielzahl von internationalen Schriftstellern, so die Märchen von H.C. Andersen, Oscar Wildes "Gespenst von Canterville" oder "Gullivers Reisen" von Jonathan Swift. Neben seinen Buchillustration umfasst sein graphisches Werk mehr als 1300 Blätter in den verschiedensten Techniken. In dem Buch "Èeská grafika XX. století" wird über ihn und seinen graphischen Stil folgendermaßen geschrieben:

"Einer der bedeutendsten Vertreter unserer Graphik war Cyril Bouda, dessen klassizistische Kunstauffassung sich aus dem Erleben der italienischen Renaissance herleitete und sich ab Beginn der 20er Jahre entfaltete. Zum Ausgangspunkt seines Werkes wurde die vollendete Zeichnung, die es ihm ermöglichte, Ansichten von Städten und wunderschöne Stilleben aufs genaueste zu erfassen. Mit feinem Humor und reicher Phantasie widmete er sich auch der Buchillustration."

Aber auch andere künstlerische Ausdrucksformen fanden sein Interesse, was sich in mehr als 400 Ölgemälden ausdrückt sowie in Wandteppichen, Kirchenfenster, Theaterkulissen, Mosaiken, Zeichentrickfilmen oder Plakaten.

Schließlich sind auch insgesamt 50 Briefmarkenentwürfe zu nennen. Als Briefmarkenentwerfer ist Bouda beinahe zu den Klassikern der tschechischen Briefmarkenkunst zu zählen, da seine erster Entwurf bereits vor dem zweiten Weltkrieg erschien. Er stellt eine Falken - das Wappentier der Turnervereinigung SOKOL - dar und wurde am 25.1.1938 als Gedenkmarke zu den Sokol-Winterspielen herausgegeben (MiNr. 387/388). Das Falkenmotiv ist auf der oben dargestellten Bouda-Gedenkmarke von 1989 zu erkennen. Unter seinen zahlreichen Briefmarkenentwürfen fallen vor allem seine Städtebilder und Landschaftsdarstellungen auf, von denen Beispiele auf der "best of"-Seite zu sehen sind. Seine für mich schönste Serie mit Städte- bzw. Landschaftsbildern stellen die 1961 zur Briefmarkenausstellung PRAGA 62 erschienen insgesamt 11 Motive aus der Tschechoslowakei dar. Wie meist sollte die Hauptstadt Prag den Höhepunkt bilden. In diesem Fall mussten aber - offenbar aus Propaganda-Gründen - möglichst viele Flaggen von Ausstellerländern mit auf die Marke. Das Ergebnis mutet daher äußerst seltsam an und die Marke heißt in Kreisen tschechischer Briefmarkensammler auch nur "Prádlo" (Wäsche). Wer die Briefmarke (MiNr. 1314) kennt, kann dies sicher gut nachvollziehen. Seine Liebe zur Briefmarke wird auch in einem Zitat über ihn deutlich:

Potìší ho výzva k vypracování návrhu na známky. Ale ještì víc ho potìší, když na dopis, který píše známým, mùže nalepit svou známku
(Es freut ihn die Aufforderung zur Ausarbeitung eines Briefmarkenentwurfs. Aber noch mehr freut es ihn, wenn er auf einen Brief, den er einem Bekannten schreibt, seine Marke kleben kann).


Cyril Bouda starb am 29. August 1984 in Prag. Sein künstlerisches Talent und seine Liebe zur Briefmarkenkunst hat er an seinen Sohn Jiøí Bouda weiter vererbt. Von diesem stammt auch die obige Gedenkmarke für seinen Vater, die Jiøí Bouda entworfen und selbst gestochen hat.