Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst


Karikatur
Mit Josef Èapek wird hier einer der vielfältigsten tschechischen Künstler vorgestellt, der sich sowohl als Maler und Graphiker, aber auch als Bühnenbildner, Kunstkritiker und Schriftsteller einen Namen machte. Geboren wurde er am 23. Februar 1887 in Hronov. Er studierte von 1904 bis 1910 an der Hochschule für angewandte Kunst in Prag. Danach verbrachte er mit seinem Bruder, dem bekannten Schriftsteller Karel Èapek (1890-1938), zwei Jahre in Paris. Zusammen mit einer Reihe anderen Künstlern (u.a. mit dem hier in der Galerie ebenfalls vertretenen Jan Zrzavý, sowie Václav Špála oder Rudolf Kremlicka) gründete er 1918 die Künstlergruppe "Tvrdošíjní" (die Hartnäckigen). Èapek gehörte auch der "Umìlecká beseda" und der SVU Mánes an. Als Journalist arbeitete er für verschiedene Zeitschriften, u.a. "Volné smìry" (Freie Richtungen), "Èerven" (Juni) oder "Život" (Leben). Zusammen mit seinem Bruder Karel schrieb er verschiedene literarische Texte.

Als Maler und Graphiker adaptierte er nach expressiven Anfängen eine spezifische und persönliche Form des Kubismus, den einmal jemand als "biomorphen Geometrismus" bezeichnete. Von den 20er Jahren an bekam sein Werk einen ausgesprochenen sozialen und politischen Akzent, dessen Ausprägung in den 30er Jahren noch stärker wurde, als er Mitarbeiter der Zeitschrift "Lidové noviny" (Volkszeitung) war. Zu dieser Zeit schuf er seine monumentalen Genre-Bilder, mit denen er gegen den Krieg protestierte. Als journalistischer Mitarbeiter war er auch als Karikaturist tätig.

Im Mittelpunkt dieser Phase stehen drei Bilderzyklen, die Capek besonders berühmt machten: "Diktátorské boty" (Die Schuhe des Diktators), "Touha" (Sehnsucht) und "Oheò" (Feuer), dessen zentrales Motiv auf der vorherigen Seite gewürdigt wird. Auf einer weiteren Briefmarkenausgabe (s. oben) veröffentlichte die Tschechoslowakei im Jahr 1985 zwei Vorstudien zu "Oheò". Als drittes Èapek-Bild erschien im Jahr 1987 zu seinem 100. Geburtstag das Ölgemälde "Harmonikáø" (Der Harmonikaspieler) auf einer Briefmarke.

Unmittelbar nach Kriegsbeginn wurde Èapek am 1. September 1939 wegen seine politischen Engagements verhaftet und in verschiedene Konzentrationslager gebracht. Das Kriegsende und die Befreiung erlebte er nicht mehr. Er starb kurz vorher im April 1945 in Bergen-Belsen.