Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst



BIOGRAPHIE



Antonín Dvoøák
MiNr. 329, 21. November 1934
Erste veröffentliche Briefmarke von Bohumil Heinz




Republika
Sondermarke zum
20. Jahrestag der Staatsgründung
gestochen von Bohumil Heinz
nach einem Entwurf von Max Švabinský
MiNr. 405, 15. Dezember 1938

letzte Briefmarke Bohumil Heinz'
für die Tschechoslowakei
Bohumil Heinz wurde am 9. Mai 1894 in Rakovník geboren. Nach der Schule bekam er seine ersten künstlerischen Eindrücke durch den Besuch einer Keramikschule in Bechynì, die er aber verlassen musste, als der erste Weltkrieg ausbrach. Als Soldat diente er an der Front in Russland und Italien.

Nach dem Krieg begann er eine Ausbildung als Figurenmaler an der Kunstschule von Professor Schusser und kam bei einem einjährigen Studium bei Vratislav Hugo Brunner und später bei F. Kysela an der Kunstgewerbehochschule in Prag erstmals mit der Graphik in Verbindung. Das Stecherhandwerk erlernte er aber beim Nestor der tschechischen Stecherkunst Eduard Karel, der - nach eigenen Aussagen Heinz' - den größten Einfluss auf seine künstlerische Arbeit ausübte und mit dem er sich Zeit seines Lebens eng verbunden fühlte. 1922 war er einer von zwei Studenten, die ein monatliches Stipendium der Staatsbank von 300 Kès erhielten. Auf diese Weise arbeitete er bereits als Student gelegentlich für die Staatsdruckerei. Lange Zeit gab es nach der Beendigung des Studiums im Jahr 1924 in seiner Biographie keine Anzeichen dafür, dass er einmal der gefeiertste Briefmarkenstecher seines Landes werden sollte. Er versuchte eine Graphikerlaufbahn und lebte von Gelegenheitsaufträgen. Aufgrund seines früheren Stipendiums hatte er aber weiterhin Beziehungen zu Nationalbank und legte dort für eine Bewerbung eine Tuschezeichnung der russischen Zarin Katharina nach einer 100-Rubel-Banknote vor, die er auch später häufig Bewerbungsunterlagen beifügte. Als Prüfer derartiger Bewerbungen war zu dieser Zeit für die Nationalbank der große Wiener Stecher Ferdinand Stirnböck tätig. Ob er allerdings auch die Heinzschen Vorlagen prüfte und für die Ablehnung verantwortlich war, ist ungeklärt.

Obwohl Heinz noch eine ganze Reihe weiterer Arbeiten fertigte, wurden diese trotzdem bei Veröffentlichungen lange Zeit nicht berücksichtigt, weil die Staatsdruckerei mit Karl Seizinger bereits einen äußerst produktiven und guten Stecher hatte. Aus diesem Grund nahm Heinz im Jahr 1932 Kontakt mit der bekannten englischen Druckerei Thomas De La Rue & Co in London Kontakt auf und erhielt von da an regelmäßig Aufträge, die ihm per Post zusammen mit den Platten, auf die er zu gravieren hatte, zugeschickt wurden. Nebenbei entwarf er weitere Briefmarken und bewarb sich mit ihnen bei der tschechoslowakischen Post. Aus dieser Zeit stammen u.a. ein unveröffentlichter Konkurrenzentwurf zu Karl Seizingers Briefmarke mit dem Porträt von Miroslav Tyrš von 1932 und ein Entwurf mit dem Porträt Bedøich Smetanas, der erst nach dem Krieg als Briefmarke gedruckt wurde (MiNr. 578/579). Als er nach vielen Anläufen dann doch für Banknoten der Nationalbank tätig sein durfte, war seine Arbeit aber von Max Švabinský, der oft für die Entwürfe verantwortlich war, nicht so geschätzt wie andere Stecher. Also überließ man Heinz häufiger Briefmarkenstiche. Es dauerte aber noch bis zum Jahr 1934, ehe einer seiner Entwürfe auf Briefmarke erschien. Diese Ausgabe zeigt ein Porträt des Komponisten Antonín Dvoøák (s. links oben). Trotzdem galt seine große Liebe dem Stechen von Banknoten, von denen er vor allem alte amerikanische und solche aus dem zaristischen Russland sammelte. Auf Briefmarkensammeln dagegen legte er keinen Wert: sie interessierten ihn nur unter graphischen und stecherischen Gesichtspunkten und von seinen gedruckten Werken ließ er sich regelmäßig nur ein Exemplar geben.

Von den Kritikern wurden seine Briefmarken jedoch mit Begeisterung gefeiert und von 1934 an schuf er bis zum Ende der ersten tschechoslowakischen Republik insgesamt 23 verschiedene Briefmarkenstiche, zwei Blöcke und 7 Stiche von Zierfeldern, die zu mehr als 40 Briefmarken führten. Aus der Zeit des Protektorats stammen von ihm weitere 10 Briefmarkenausgaben für "Böhmen und Mähren" (Èechy a Morava) mit Landschaftsmotiven. Diese 6 Jahre intensiver Stecherarbeit genügten, um ihn unsterblich werden zu lassen. Viele sehen in seinem Werk den absoluten Höhepunkt des tschechoslowakischen Briefmarkenstichs. Die höchste Befriedigung für ihn war aber, als er auch von dem die Briefmarkengraphik des Landes bestimmenden Max Švabinský als Partner akzeptiert wurde. Bohumil Heinz' letzte Briefmarke für die Tschechoslowakei zum 20. Jahrestag der Republikgründung im Jahr 1938 (s. links unten) gilt als herausragendes Beispiel dieser Zusammenarbeit. Sein früher und plötzlicher Tod am 22. Mai 1940 verhinderte eine weitere Zusammenarbeit mit dem Meister und weitere hervorragende Werke.


Titelseite * Einleitung * Biographie * De La Rue I * De La Rue II * Protektorat * Nachruf * Briefmarken