Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst



PROTEKTORAT

ZLÍN (Schuhfabrik Baa)
Linienzeichnung einer Briefmarke, die Bohumil Heinz im Jahr 1939
für die deutsche Postverwaltung des Protektorats "Böhmen und Mähren" stach
Ausgabetag: 4. November 1939
(MiNr. 33)

Zlin

Ales Bohumil Heinz' Meisterschaft im Briefmarkenstich zeigte sich in den Ausgaben der Tschechoslowakei in den 30er Jahre zunächst in Motiven, die man ihm vor allem überließ, weil man vom damals dominierend Stecher Karl Seizinger dies nicht erwartete. Seizinger hatte eine ausgesprochene Vorliebe für Landschaftsmotive, wie sie in der Serie "Hrady, mìsta, krajiny" zu sehen sind. Wesentlich weniger liebte er figurale Motive und Porträts. Es überrascht daher nicht, dass man Heinz diesen Teil der Briefmarkenausgaben überließ. So kam es, dass es unter den tschechoslowakischen Briefmarken von Heinz vor allem die Umsetzung von Bildern alter tschechischer Meister gibt (sie das links abgebildete Motiv nach einem Medaillon von Josef Mánes aus der Prager Aposteluhr), allegorische Motive und natürlich Porträtausgaben. Auf diese Weise ergänzten sich die beiden Briefmarkenstecher der 30er Jahre quasi ideal, obwohl in der Literatur meist die Gegensätzlichkeit und Rivalität beider Künstler hervorgehoben wird. Die meist national gefärbte Sichtweise führte zu einer starken Überhöhung der Leistung von Bohumil Heinz, während man dem Deutschen Karl Seizinger häufig - vor allem in der Zeit des Kommunismus - vorwarf, dass er freiwillig "seine" Tschechoslowakei verlassen und damit im Stich gelassen habe.

Und so musste sich Heinz nach dem Weggang Seizingers praktisch gezwungenermaßen auch mit Landschaftsmotiven und architektonischen Objekten befassen. Doch obwohl dies für ihn Neuland war, erreichte er auch hier höchste Vollkommenheit. Inzwischen lag die Briefmarkenproduktionen in den Händen der deutschen Postverwaltung des Protektorats, die aber den gesamten Apparat der auf hohem Niveau stehenden tschechischen Briefmarkenherstellung nutzte. Der deutschen Besatzungsmacht konnte aber nicht daran gelegen sein, Briefmarken mit nationalen tschechischen Themen herauszugeben. Insofern zog man sich mit den Briefmarkenmotiven zunächst auf eher "harmlose" Landschafts- und Städtemotive zurück. So sind alle 10 Briefmarkenausgaben, die es von Heinz für "Böhmen und Mähren" gibt, Landschafts- und Städtebilder, angefangen von eine Motiv mit der Burg Karlštejn bis zu einer Marke mit dem Waldstein-Palais in Prag. Eigentlich liebte er es nicht nach Photographien zu arbeiten, wie er es für den oben abgebildeten Stich einer Ansicht der Stadt Zlín (nach einem Entwurf von Jan Charles Vondrouš) tun musste. In einem Büchlein über den Künstler wird zum Entstehen dieser Marke folgendes geschrieben:

"A byly mezi nimi motivy, které nikterak nelahodily pøedstavám umìlce, jenž nemiluje fotografický realismus. Pøíkladem mùže býti tøeba Zlín, u nehož musel míti rytec mnohem vìtší dávku trpìlivosti než umìleckého citu, aby zdárnì dokonèil uloženou práci. A tak i zde se znovu ukázala velikost Heinzova. Autor krásných známek symbolických s mìkkými liniemi dovedl ukáznìnì pracovat i na pøedlohách, které mu jak obsahem, tak i formou byly cizí."
(Und unter ihnen waren Motive, die keinesfalls den Vorstellungen des Künstlers entsprachen, der photographischen Realismus nicht liebte. Als Beispiel kann man vielleicht das Motiv "Zlín" ansehen, bei dem der Stecher eine viel größere Menge Geduld haben musste als künstlerisches Gefühl, um die vorgelegte Arbeit erfolgreich abzuschließen. Und so zeigte sich auch hier von neuem die Größe Heinz'. Der Autor schöner symbolischer Marken mit weichen Linien brachte es fertig, auch bei Vorlagen diszipliniert zu arbeiten, die ihm sowohl vom Inhalt als auch von der Form her fremd waren.)


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