Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst
Briefmarke * Biographie * Stich


"Známkové tvorbì jsem již dávno upsal duši, ale chci dìlat pøedevším èeskoslovenské známky. Tady pøesnì vím, pro koho tvoøím, vím, že zde myslí stejnì jako já, jsem zde bytostnì spjat nejen se souèasností, ale i s odkazem velikána svìtové grafiky Václava Hollara."
(Dem Briefmarkenschaffen habe ich mich schon lange mit dem Herzen verschrieben, aber zu allererst will ich tschechoslowakische Briefmarken schaffen. Hier weiß ich genau, für wen ich arbeite, ich weiß, dass sie hier genauso denken wie ich; ich bin hier nicht nur im wesentlichen dem Zeitgenössischen verbunden, sondern auch dem Vermächtnis des großen, weltweit geachteten Graphikkünstlers Václav Hollar.)




JOSEF HERÈÍK (1922-1999)

Josef Herèík wurde am 23. März 1922 im mährischen Uherský Brod geboren. Mit Sicherheit ist er einer der bedeutendsten tschechischen Briefmarkenstecher, insbesondere auch wegen seiner vielen nationalen und internationalen Auszeichnungen, die er für sein Briefmarkenschaffen erhielt. Er steht damit in einer Reihe mit anderen großen tschechischen Stechern wie Bohumil Heinz, Jaroslav Goldschmied oder Jindra Schmidt. Insgesamt gibt es von ihm mehr als 400 Briefmarkenstiche, u.a. alle Serien der Tschechoslowakei mit Städtewappen. Damit ist er der produktivste Briefmarkenstecher der Tschechoslowakei und übertrifft in der Quantität sogar den Umfang des Werkes von Jindra Schmidt. Aber nicht nur Quantität, sondern auch ein extrem hoher Qualitätsanspruch kennzeichnen sein graphisches Schaffen. Bis zu seinem Tod galt er zusammen mit seinem Kollegen Bedøich Housa als Nestor der tschechischen Stecherkunst. In einem Nachruf auf ihn wird er als "Synonym für den Wert und die Individualität der kleinsten und jüngsten angewandten Kunst unserer Zeit" bezeichnet.

Josef Herèík begann seine Künstlerkarriere in seiner Heimat als Graveur von Feuerwaffen, einer heute fast vergessenen Kunst, in der er auch seine Ausbildung erhielt. Nach Abschluss dieser Ausbildung übersiedelte er 1940 nach Prag, um an der Hochschule für bildende Kunst zu studieren, konnte diese Studium aber erst nach dem Krieg beginnen, da während des Krieg alle tschechischen Hochschulen geschlossen waren. Diese exzellente handwerkliche Grundausbildung ermöglichte es ihm auch, in vielen Bereichen der Graphik aktiv zu sein. Obwohl er hauptsächlich als Briefmarkenstecher berühmt wurde, gibt es von ihm darüber hinaus ein breites Spektrum an graphischen Arbeiten wie Zeichnungen, Buchillustrationen, Buchtitel, bibliophile Arbeiten und vieles mehr. In diesen Bereichen wurde er im Jahr 1958 erstmals einer größeren Öffentlichkeit bekannt, als er die Stiche für das Buch "Le bateau ivre" von Rimbaud nach Vorlagen des Malers František Tichý schuf.

In dieser Zeit begann auch seine Zusammenarbeit mit dem Graphiker Václav Sivko, der ihn für das Briefmarkenstechen gewann. Folgerichtig waren Herèíks erste veröffentlichten Briefmarkenstiche Vorlagen von Sivko zur Briefmarkenausstellung PRAGA des Jahres 1962 (MiNr. 1341-1344), erschienen am 14. Mai 1962. Seine tatsächlich ersten Stiche - zwei von Sivko entworfene Motive einer Insektenserie (MiNr. 1372/1376) - wurden erst später am 15. Dezember 1962 ausgegeben. Seine Umsetzungen der Vorlagen anderer Künstler zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass es ihm gelingt, alle Details des Originals zu erhalten, seine eigenen kreativen Intentionen aber noch hinzuzufügen. Als Herèíks Meisterstück gilt die stecherische Umsetzung von Pablo Picassos Monumentalgemälde "Guernica", die auf den beiden übrigen Seiten dieses Herèík-Beitrags vorgestellt wird. Für dieses Werk erhielt er auch auf der Briefmarkenausstellung in Neapel einen "Grand Prix", die wohl höchste seiner unzähligen Preise und Ehrungen, mit denen er ausgezeichnet wurde.

Obwohl Herèík - wie das obige Zitat belegt - natürlich am liebsten für sein Heimatland arbeitete, besitzt er auch international ein hohes Ansehen. So arbeitete er im Auftrag des deutschen Briefmarkenversenders Hermann Sieger im Jahr 1986 eine umfassende Serie von Facsimiles berühmter Briefmarken aus, unter ihnen z.B. die berühmte Blaue Mauritius. Herèíks Facsimile ist rechts abgebildet. Vereinzelt stach er Briefmarken anderer Postorganisation wie Monaco, Kuwait oder die Vereinten Nationen und er war häufig eingebunden in die Planung der Briefmarkenprogramme verschiedener Länder. Leider ist es mir bisher noch nicht gelungen, eine vollständige Liste von Herèíks Briefmarken fürs Ausland zusammenzustellen.

Neben seiner Briefmarkenarbeit interessierte sich Josef Herèík auch sehr stark für Heraldik. Die schlägt sich z.B. darin nieder, dass er praktisch alle Ausgaben der Tschechoslowakei sowohl graphisch aufbereitete wie auch stach, die Wappen tschechischer und slowakischer Städte zeigten. Ein Beispiel - das Wappen seiner Geburtsstadt Uherský Brod - ist oben abgebildet. Insgesamt sind die Themen seiner Arbeiten so vielfältig, dass es unmöglich ist, sie alle an dieserStelle aufzuzählen. Sein hohes Ansehen, das er sich über viele Jahre hinweg erwarb, war auch der Grund dafür, ihm den Auftrag zur ersten Briefmarke der 1993 neu gegründeten Tschechischen Republik zu geben (MiNr. 1), worauf er persönlich sehr stolz war.


Sein künstlerisches Talent hat er an seinen Sohn Josef Herèík ml. (geboren am 10. Juli 1961 in Prag) weitergegeben, der heute bereits einen Namen als Graphikkünstler in der Tschechischen Republik besitzt. Auch in hohem Alter war Josef Herèík st. noch sehr agil und unternehmenslustig. So gründete er in den 90er Jahren zusammen mit seinem Sohn und seiner Frau Helen in Prag seine eigene Firma, die "First Czech Graphic Society", die schnell groß wurde und Druck- und Graphikaufträge aus aller Welt erhielt. Sie ist heute einer der vier in der Tschechischen Republik offiziell anerkannten Druckereien für Sicherheits- und Wertpapiere.

Josef Herèík starb am 9. Juli 1999 in Prag.

* * *

Viele weitere Briefmarken - gestochen von Josef Herèík - sind in dieser Galerie zu finden. Es sind so viele, dass es zu weit führen würde, sie an dieser Stelle alle aufzuführen. Beim Gang durch die Galerie werden sie Ihnen bestimmt auffallen. Hingewiesen sei hier nur auf eine weitere Seite zu Josef Herèík in der Abteilung



MiNr. der Briefmarken von Josef Herèík für die Tschechoslowakei:
Stiche:
1358, 1341-1344, 1369, 1370, 1372, 1376, 1380, 1382, 1391, 1393, 1397, 1398, 1405, 1421, 1422, 1453-1456, 1480, Bl.20, 1509, 1513, 1518, 1521, 1522, 1524, 1528, 1530, 1532, 1533, 1536, 1552, 1563, 1565, 1567, 1579-1582, 1592, 1593, 1597, 1621, 1622, 1629, 1635, 1637, 1643, 1653-1655, 1672, 1675, 1690, 1699, 1700, Bl.26, 1705-1707, Bl.27, 1713, 1714, 1739, 1743-1748, 1752, 1755-1758, 1763, 1766, 1774, 1778, 1783, 1786, 1819-1828, 1831, Bl.30, 1839, 1840, 1854-1860, 1864, 1865, 1869, 1875, 1879, 1891, 1898, 1901, 1902, 1904-1910, 1932-1934, 1940-1942, 1944, 1946-1950, 1958, 1960, 1963, 1969, 1976, 1982, 1983, 1994-2000, 2030-2032, 2035, 2040, 2041, 2045, 2048, 2050, 2062, 2068, 2070, 2073-2078, 2087, 2106, 2109, 2116, 2117, 2119, 2120, 2123, 2138, 2140, 2144-2148, 2151, 2176-2178, 2180-2182, 2184, 2185, 2187, 2193, 2195, 2198, 2200, 2207, 2208, 2212, 2213, 2222-2225, 2233, 2245, 2252-2256, 2261, 2262, 2294, 2296, 2304, 2305, 2308-2310, 2312, 2313, 2323, Bl.32, 2342, 2349, 2353, 2355, 2360-2363, 2370, 2373, 2378, 2379, 2410, 2411, 2417, 2422, 2424, 2429, 2430, 2433, 2437, 2463-2466, Bl.37, 2475, 2479-2482, 2484-2487, 2504, 2509, 2510, 2512, 2520, 2522, 2525, 2541, 2544, 2545, 2552-2556, 2563, Bl.40, 2565, 2566, 2569, 2570, 2572, 2576, 2593, 2599, 2602, 2604, 2605, 2611-2613, Bl.44, 2618, 2624, Bl.45, 2630, 2645, 2651-2657, 2660, 2666, 2671-2674, Bl.50, 2681, 2687, 2690, 2692, 2694, 2696, 2701-2704, 2731, Bl.56, 2737, 2738, 2749, 2750, 2754, 2757, 2762, 2763, 2765, 2789, 2797-2800, 2803, 2805, Bl.62, 2807, 2827, 2833-2835, 2849-2854, 2859, 2864, Bl.67, 2875, 2879, 2894-2896, 2902, 2905, 2910, 2916, 2917, 2927, 2931, 2934, 2935, 2947-2951, 2957-2960, 3005, Bl.93, 3027, 3035, 3042-3045, 3067, 3069, 3097, 3106, 3110, Bl.96, 3132, 3133
Entwürfe/graph. Aufbereitung: 1637, 1672, 1705-1707, Bl.27, 1748, 1752, 1819-1828, 1839, 1840, 1904-1910, 1944, 1969, 1994-1999, 2032, 2035, 2106, 2109, 2144-2146, 2176, 2177, 2252, 2253, 2342, 2360-2363, 2417, 2463, 2464, Bl.37, 2507-2511, 2552-2555, 2593, 2645, 2651-2654, 2671-2674, Bl.50, Bl.56, 2754-2757, 2797-2799, 2834, 2835, 2850-2852, 2916, 3042-3045, 3097, 3132

MiNr. der Briefmarken von Josef Herèík für die Tschechische Republik und die Slowakei:
CZ:
1, 4, 14, 45, 49-51, 73-75, 103, 126, 132, 153-155, 171, 182, 183, 201, 220, 223
SK: 164, 167, 198, 230, Bl.4, 294, 309

Vereinte Nationen: 144
Kuwait: 531-532