Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst

KURZPORTRAITS
TSCHECHISCHER UND SLOWAKISCHER
BRIEFMARKENENTWERFER

Anderle * J. Bouda * Brun * Cinybulk * Fišer * Franta * Guderna * Hanák * Hegar * Kováøík * Králík * Lukavský * Rieß * Seydl * Sivko * Solga * Strnad * Suchánek * Urbásek * Vik * Vingler * Vodák * Zábranský * Zmeták

4. Teil

Dillinger * Rotrekl * Týfa * Vlèek * Silovský * Ziegler

Petr Dillinger
Graphiker
geboren am 17. September 1899 in Èeský Dub
gestorben am 24. April 1954 in Prag

Petr Dillinger war Schüler von Max Švabinský und arbeitete in den 20er Jahren zeitweise auch mit
František Kupka in Paris zusammen. Er war als Kunstprofessor vor allem an der "Škola umìleckých øemesel" (Schule für Handwerkskünstler) in Brünn tätig und hatte als Graphiker vor allem durch seine Holzschnitte einen Namen. Obwohl er vor allem in den 30er Jahren eine Reihe Briefmarkenentwürfe schuf, wurde lediglich einer davon veröffentlicht, eine Sondermarke, die den Verband der Postangestellten würdigt (MiNr. 634/635). Von seinen (unveröffentlichten) Entwürfen stellte mir Petr Dillingers Sohn Ivan freundlicherweise einen zur Verfügung, von dem der Probedruck links abgebildet ist.
Teodor Rotrekl
(eigentlich: Theodor Rothröckel)
Graphiker und Science-Fiction-Künstler
geboren am 1. Juni 1923 in Brünn

Teodor Rotrekl ist einer der wenigen international bekannten Künstler der Tschechoslowakei, allerdings auf einem so speziellen Gebiet, dass viele mit seinem Namen nichts verbinden. Vor allem in der Szene der Liebhaber von Science-Fiction-Literatur kennt man ihn weltweit. Viele, auch internationale Ausgaben von Science-Fiction-Autoren sind von Rotrekl illustriert. Sein einziger veröffentlichter Briefmarkenentwurf (s. links) zum Weltkongress der Hüttenarbeiter aus dem Jahr 1963 (MiNr. 1422) stammt aus der Zeit, bevor er international bekannt wurde.
Josef Týfa
Graphiker und Typographie-Künstler
geboren am 5. Dezember 1913 in Bìloves u Náchoda

Josef Týfa war Schüler von
Jaroslav Benda und übernahm von ihm auch dessen Liebe zur Buchkunst. Er zählt heute zu den bekanntesten Typographie-Künstlern seines Landes. Seine bekannteste Schrift ist die nach ihm benannte TYFA ROMAN, entwickelt 1959 und erstmals 1960 veröffentlicht. In den 60er Jahren war er einer der Mitbegründer des "Klub knihy" (Club des Buches) innerhalb der Hollar-Vereinigung. Auch als Werbegraphiker u.a. für die Brauerei "Prazdroj" (Pilsener Urquell) in Pilsen. Seine einzige veröffentlichte Briefmarke erschien 1965 zur Internationalen Schmuckausstellung in der Goldschmiedestadt Jablonec (MiNr. 1558) und ist ein gutes Beispiel für seinen einfachen und klaren graphischen Stil.
Jindra Vlèek
Maler
geboren am 5. September 1885 in Malá Skalice
gestorben am 22. März 1968 in Hradec Králové

Beinahe 20 Briefmarkenentwürfe - alle aus der Vorkriegs-Tschechoslowakei - stammen von Jindra Vlèek. Die auf diesen Marken zu sehenden Motive stehen voll in der Thematik des gesamten künstlerischen Werks des Malers. Schon am Anfang seines Schaffens war er Mitglied der Tschechoslowakischen Legion und wurde als Zeichner der Legion der Dokumentarist ihrer Aktivitäten. Dieser "Reportage-Charakter" seiner Werke zieht sich durch sein ganzes Schaffen. Themen von Kampf und Krieg stehen dabei im Mittelpunkt. Auch seine Briefmarken zeigen dies, wie z. B. die links angebildete Gedenkmarke für die Tschechoslowakische Legion aus dem Jahr 1938 (MiNr. 393).

MiNr. der Briefmarken von Jindra Vlèek:

373, 374, 392-394, P55-66
Vladimír Silovský
Graphiker
geboren am 11. Juli 1891 in Libáò v Èechách
gestorben am 26. April 1974 in Prag

Als Schüler Max
Švabinskýs entdeckte Silovský schon früh seine Vorliebe für die Graphik. Seit 1946 war er Professor an der Kunstakademie in Prag und leitete dort ein Institut für Sondergraphik. In dieser Zeit bildete er eine ganze Generation von Graphikern aus und übte so maßgeblich auch Einfluss auf die Briefmarkenkunst der Nachkriegs-Tschechoslowakei aus. Im Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens stehen Motive aus dem Arbeitsleben, Technik und Architektur. Zwei seiner insgesamt fünf Briefmarkenentwürfe spiegelt genau dieses Thema wider: eine Ausgabe zur Industrieausstellung in Pilsen aus dem Jahr 1938, die einen Blick auf die dortigen Škoda-Werke zeigt(MiNr. 400, s. links) und eine Ausgabe von 1952 zur Schwerindustrie.

MiNr. der Briefmarken von Vladimír Silovský:

400, 709, 715, 716, 851
Böhmen und Mähren: 33, 34, 40, 72, 77, 78
Zdenìk Ziegler
Graphiker und Plakatkünstler
geboren am 27. Oktober 1932 in Prag

Zdenìk Ziegler gilt als der augenblicklich - auch international - angesehenste tschechische Künstler für Film- und Theaterplakate. Bereits im Jahr 1963 begann er nach seinem Architekturstudium mit dem Entwerfen von Filmplakaten. Auch in der Buchtypographie besitzt er heute einen Namen. Erst nach der "Samtrevolution" wurde er im Jahr 1990 als Kunstprofessor an die Hochschule für angewandte Kunst in Prag berufen. In dieser Zeit wurden auch die ersten von ihm entworfenen Briefmarken veröffentlicht, von denen es inzwischen drei gibt. Dargestellt ist links sein erster Entwurf aus dem Jahr 1994 (MiNr. 40). Sie beinhaltet zwei interessante Objekte tschechischer Kunst: zum einen würdigt die Marke die kubistische Tradition der Prager Künstler durch die Darstellung eine Häuserfassade des Architekten Josef Chochol, zum anderen ist die Landesbezeichnung in der Typographie PREISSIG ROMAN und würdigt auf diese Weise den großen Graphiker
Vojtìch Preissig. Für eine Reihe weiterer Briefmarken hat Ziegler die graphische Aufbereitung vorgenommen, als bekannteste die auch in dieser Galerie dargestellte Serie mit Motiven Josef Ladas zum "Braven Soldaten Švejk".

MiNr. der Briefmarken von Zdenìk Ziegler:
Entwürfe:
CZ 40, 47, 212, 259
Graph. Aufbereitung: CZ 153-155, 194-196, 234/235, Bl. 9, 288, Bl. 15, 293

[weitere Kurzportraits]