Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst



Navratil
Die künstlerische Bedeutung Josef Navrátils wurde während seiner Lebzeiten nur unzureichend erkannt und gewürdigt. Heute dagegen sieht man in ihm einen der ersten großen tschechischen Maler des 19. Jahrhunderts.

Geboren am 17. Februar 1798 in Slaný sollte er wie sein Vater das Malerhandwerk erlernen. Er entschied sich aber für ein Kunststudium an der Prager Akademie, die er von 1819-1823 besuchte. Danach arbeitete er hauptsächlich als Dekorationsmaler auf der Prager Burg und der Kleinseite. Bekannt wurde er in größerem Maße durch seine Wandmalereien in verschiedenen böhmischen Burgen, u.a. in Libìchov, Zákupy oder Ploškovice. Daneben schmückte er in Prag den Kapitelsaal der Kreuzherren und das Vávra-Haus aus, das Gebäude des heutigen Postmuseums.

Er unternahm eine ganze Reihe von Reisen, v.a. durch Deutschland, die Schweiz und Frankreich, von denen er eine Fülle von Eindrücken mitbrachte, die er in seinen Werken verarbeitete. Besonders die Alpen hatten es ihm angetan und er besuchte sie immer wieder. Am besten kommt diese Liebe zu den Alpen im sogenannten "Alpenzimmer" (Alpský pokoj) des Postmuseums zum Ausdruck (siehe auch die vorausgegangene Galerieseite).

Neben diesen großen Wandmalereien widmete er sich nebenbei kleinen Genrebildern und der Landschaftsmalerei. Ein Schwerpunkt seines Schaffens liegt aber auch in Stilleben, v.a. mit Blumen, die er bravourös und meisterhaft beherrschte. Diese kleinen Bilder und Skizzen gehören zu den Juwelen der tschechischen Malerei. Sie sind sehr schwer einer einzigen Stilrichtung zuzuordnen, sondern verbinden sowohl Rokoko mit Biedermeier, als auch Romantik mit Realismus. Er knüpft in vielerlei Hinsicht an die Tradition der Koloration des 18. Jahrhunderts an, nimmt aber auch den Impressionismus vorweg.

Mit diesen Werken erreichte er aber Zeit seines Lebens keine allzu große Öffentlichkeit und Anerkennung. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde man auf Navrátils Werke aufmerksam, als im Jahr 1909 im Rudolfinum zu Prag eine erste Gesamtausstellung seines Werks stattfand. Auf Briefmarken wurde Navrátil im Jahr 1965 zu seinem 100. Todestag durch die obige Sondermarke geehrt. Zur PRAGA 1988 erschien auf einer wunderschön gestalteten Blockausgabe ein Ausschnitt aus seinen Wandmalereien im Prager Postmuseum (Turín - Monte Superga). Im Jahr 1998 zu seinem 200. Geburtstag wurde von der tschechischen Post im Rahmen der "umìní"-Serie sein Bild "Die Spinnerin" auf Briefmarke abgebildet.

Josef Navrátil starb am 21. April 1865 im Prag.