Zurück zu
Modráèek * Join our free colors!

Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst




Sheet
Plakate von Vojtìch Preissig

Briefmarkenserie der Tschechischen Republik mit drei Motiven
Ausgabetag: 28. Oktober 1998
zum Gedenken an den 80. Gründungstag der Tschechoslowakei

Graphische Aufbereitung: Zdenìk Ziegler
gestochen von Miloš Ondráèek

Neben dem Motiv des obigen Kleinbogen ist das zweite Motiv dieser Briefmarkenserie auf der Seite Join our free colours zusehen. Die dritte Briefmarke ist unten abgebildet.

Vojtìch Preissig steht am Beginn der modernen tschechischen Graphik des 20. Jahrhunderts. Geboren am 31. Juli 1873 in Svìtec u Biliny, studierte er ab 1892 an der Hochschule für angewandte Kunst in Prag. In seinen frühen Werken war er einer der bedeutendsten Vertreter des Jugendstils, in seinen letzten Lebensjahren wurde er zu einem der Pioniere der abstrakten Kunst. Er entfaltete sein künstlerisches Talent gleichzeitig in den verschiedensten Bereichen der bildenden Kunst: in der Typographie und Buchkunst, auf Plakaten, in Illustrationen und in weiten Bereichen des Graphik-Designs, in der freien Graphik, der Photographie, der Zeichnung und der Malerei.

Seine künstlerischen Anfänge fallen in die 90er Jahre des 19. Jahrhunderts. Während seines Aufenthalts in Paris studierte er dort von 1898-1902 an verschiedenen Instituten graphische Technik und arbeitete zeitweise mit Alfons Mucha zusammen. In Paris stand er unter dem Einfluss des japanischen und französischen Jugenstils. Im Geist dieser Jugendstilkunst strebte er nach einer Synthese der Polarität von geistigen und natürlichen Elementen der menschlichen Umwelt.

Nach seiner Rückkehr nach Böhmen gab er u.a. die Zeitschrift "Èeská grafika" (Tschechische Graphik) heraus, ein Periodikum, in dem die besten graphischen Arbeiten der damaligen Zeit veröffentlicht wurden. Er gründete in Prag-Vinehrad ein eigenes Graphik-Studio, wo er verschiedene Illustrationen schuf und sich mit Typographie und Buchkunst beschäftigte. Sein Buch "Barevný lept a barevná rytina" (Farbradierung und Farbstich) von 1909 gilt als Meilenstein der tschechischen Graphikkunst. In der Zeit seines Aufenthalts in Prag schuf der Tapetenentwürfe, Plakate, Buchumschläge und Illustrationen, die Grundlagen der modernen tschechischen Gebrauchsgraphik wurden. 1903 erschien in der Aufbereitung Preissigs eines der berühmtesten tschechischen Kinderbücher - "Brouèci" (Käfer) von Jan Karafiát (4.1.1846-31.1.1929). Die Ausgabe ist eines der ersten tschechischen Bücher, das organisch verschiedene graphische Ausdrucksformen zu einem harmonischen Ganzen vereinigte. Zu den schönsten tschechischen Büchern überhaupt zählt man die im Jahr 1909 von Preissig gestaltete Ausgabe der "Šleské písne" (Schlesische Lieder) des tschechischen Dichters Petr Bezruè.

1910 zog er um in die USA, wo er 20 Jahre lang lebte und arbeitete und dabei viele Erfahrungen sammelte, die später maßgeblich die Entwicklung der Graphik in der Tschechoslowakei beeinflussten. U.a. lehrte Preissig an der Columbia Universität in New York und leitete eine Schule für Druck- und Graphikkunst am Wentworth Institute in Boston. Der Aufenthalt in den USA unterbrach aber nicht seine enge Zusammenarbeit mit tschechischen Verlegern und der Staatsdruckerei in Prag, für die er eine Originalschrift/Typographie entwarf, die als PREISSIG ROMAN eine weitreichende Bedeutung erlangte und auf den Briefmarken dieser Seite zu sehen ist. Weitere graphische Elemente aus Preissigs typographischem Schaffen wurden bei der Gestaltung der Ersttagsstempel der Briefmarkenausgabe verwendet (siehe unten). Diese von Preissig entworfene Schrift gilt als erste originär "tschechische" Typographie und wurde am 26. Februar 1925 in der Staatsdruckerei in Prag endgültig fertiggestellt und eingesetzt.

Plakat
Während seines USA-Aufenthalts unterstützte er auch die Tschechische und slowakische Nationalbewegung in deren Bemühungen um einen unabhängigen Staat. Zu Erinnerung an den 80. Jahrestag der Gründung der Tschechoslowakei ehrte die Tschechische Republik Vojtìch Preissig im Jahr 1998 durch die Ausgabe eines Satzes mit drei Briefmarken, auf denen von ihm entworfene Plakat-Motive abgebildet sind (ein Motive siehe links, das zweite auf einer eigenen Seite sowie oben den Kleinbogen mit der 12.60 Kè Marke). Und hier ist der historische Hintergrund zu diese Plakaten:

Unmittelbar vor Ende des 1. Weltkriegs entstand am 28. Oktober 1918 aus Gebieten des österreichisch-ungarischen Kaiserreiches der neue unabhängige Staat der Tschechoslowakei. Der Gründung voraus gingen große diplomatische und militärische Anstrengungen, die vom Ausland aus durch TomᚠGarrigue Masaryk, dem späteren ersten Präsidenten der Republik, geleitet wurden. Preissig lebte damals während des Krieges wie Masaryk in den USA und engagierte sich für die Unabhängigkeitsbemühungen. Er entwarf eine Reihe von Werbeplakaten zur Rekrutierung von Freiwilligen für die sogenannte Tschechoslowakische Legion, die auf der Seite der Entente im Weltkrieg kämpfte. Die Briefmarken zeigen drei Beispiele dieser Werbeplakate.


Schon 1919 wurde Preissig Mitglied der SÈUG Hollar, der Vereinigung der Graphikkünstler in der Tschechoslowakei, die im Jahr 1917 gegründet wurde. Auch war er Mitglied der SVU Mánes, der Vereinigung der bildenden Künstler. 1930 kehrte er in seine Heimat zurück und begann - aufbauend auf seinen reichen Auslandserfahrungen - an einer Serie von abstrakten Gemälden zu arbeiten. Der Kern seines abstrakten Schaffens ist die psychophysische Beziehung des Menschen und der Form. In diesen abstrakten Arbeiten finden sich auch alle grundlegenden Elemente seines vorherigen Schaffens wieder: Inspiration, Imagination, Individualität, Sensibiltät, Enthusiasmus, Konzentration, Ausgewogenheit, Proportion und Rhythmus. Schon in den 20er Jahren hatte er mit Collagen begonnen. Jetzt während seiner abstrakten Phase versucht er mit dieser Kunstform "Natur" selbst zu schaffen. Dabei verwendet er die vielfältigsten Materialien, u.a. Nadeln, Nieten, Metallkeile, Borsten und vieles mehr, wobei er bewusst den Zufall und das Eigenleben dieser Materialien ausnutzt. Sein künstlerisches Werk schließt in der zweiten Hälfte der 30er Jahre mit einer ausgedehnten Kollektion von Gemälden ab.


Als tschechischer Patriot veröffentlichte er von 1938 an Propaganda gegen Hitler und die deutsche Besatzungsmacht im Protektorat Böhmen und Mähren. Er half beim Druck der Widerstandszeitschrift "V boj" (Im Kampf). 1940 wurde er verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau gebracht, wo er am 11. Juni 1944 starb. Unmittelbar nach dem Krieg wurde er posthum Ehrenmitglied der Hollarvereinigung.

Mehr Informationen über Vojtìch Preissig und speziell seine typographische Tätigkeit finden Sie auf der Internetseite von Richard Kegler , der mir auch die Verwendung des von ihm gestalteten Preissig-Logos (siehe oben) erlaubte.