Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst


Jindøich Štyrský wurde am 11. August 1899 in Èermná u Kyšperka geboren. Während seines Studiums war er u.a. Schüler von Jakub Obrovský.

Seine künstlerischen Anfänge zu Beginn der 20er Jahre zeichnen sich aus durch lyrisch aufgeladenene Bilder im Umfeld der tschechischen Kubismus-Szene nach der Gründung der Tschechoslowakei. 1923 wurde er Mitglied der Künstlergruppe Devìtsil, an deren Ausstellungen und publizistischen Aktivitäten er sich bis Ende der 20er Jahre beteiligte, wobei aber seine Beziehung zu dieser Gruppe schon ab dem Jahr 1925 schwächer wurde. In diesem Jahr war Štyrský zusammen mit Josef Šima und Toyen in Paris an der internationalen Ausstellung L'Art d' aujourd' hui beteiligt. Der große Erfolg veranlasste ihn, Ende des Jahres zusammen mit seiner Lebensgefährtin Toyen nach Paris überzusiedeln, wo beide gemeinsam bis 1928 lebten. Im Jahr 1926 veranstalteten sie in ihrem Studio in Montrouge eine Ausstellung, mit der sie einen neuen künstlerischen Stil vorstellten, den sie "Artificialismus" nannten und der sich auf assoziative und ziemlich abstrakte Farbstrukturen gründete. Wie seine Künstlerkollegin Toyen wurde auch Štyrskýs Stil in den 30er Jahren konkreter und rückte in die Nähe des Surrealismus. 1932 veranstaltete Štyrský zusammen mit Toyen und Josef Šima in Prag zum zweitenmal eine große gemeinsame Ausstellung mit dem Titel Poezie, die ein Meilenstein für den europäischen Surrealismus werden sollte. Gemeinsam gehörten sie dann im Jahr 1934 zu den Gründungsmitgliedern der legendären Prager Gruppe von Surrealismus-Künstlern, deren Manifest - formuliert vom Prager Publizisten und Kunstkritiker Karel Teige - den Surrealismus marxistisch begründete als "theoretische und praktische sozialrevolutionäre Aktivität". Im Rahmen des europäischen Surrealismus erreichte Štyrskýs Werk seine bedeutende Position dadurch, dass er einer der ersten war, der sich mit Farb-Collagen beschäftigte und auch durch seine vielen imaginativen und inspirierenden Bildern.


Jindøich Štyrský fiel aber auch durch eine Reihe weiterer künstlerischer Aktivitäten auf. So war er vor allem im Bereich des Theaters als Bühnenbildner tätig und von 1928-1929 Chef des Bühnenausstattung des sogenannten "Osvobozené divadlo" (Befreites Theater) von Jan Werich. Er beschäftigte sich aber auch mit Buch-Illustrationen, Photographie und Poesie sowie als Herausgeber literarischer Werke. U.a. gab er in tschechisch die Werke Rimbauds und des Marquis de Sade heraus. Jindøich Štyrský starb während des Kriegs, erst 42 Jahre alt, am 21. März 1942 in Prag.