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Kytice * Srpnové poledne * Splynutí duší * Poslední soud

Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst




Selbstporträt
Neben Alfons Mucha wird Max Švabinský als der bedeutendste tschechische Künstler des 20. Jahrhunderts angesehen - und er kann mit Sicherheit als der Vater der tschechoslowakischen Briefmarkenschule gelten. Geboren wurde er am 17. September 1873 in dem südmährischen Städtchen Kroměříž (deutsch: Kremsier). Dort besuchte Max Švabinský eine deutsche Schule, von der er später an die Akademie der bildenden Künste nach Prag wechselte. Ab 1910 war er dann dort selbst Professor und leitete verschiedene Schulen, vor allem eine auf Grafik spezialisierte Schule, die eine große Reihe seiner Schüler zu herausragenden Künstlern ausbildete. Von 1921 bis 1923 war er Vorsitzender der SČUG Hollar, der Vereinigung der tschechischen Grafikkünstler.

In einem Buch über die tschechische Graphik im 20. Jhdt. wird Švabinskýs Schaffen ausführlich folgendermaßen beschrieben (frei übersetzt aus dem Tschechischen von mir):

"...projevil nevšední nadání pro kresbu, jež se od počátku stala základem jeho grafické i malířské tvorby. Dnes se s odstupem času potvrzuje, jak citlivý a pro období symbolismu příznačný byl jeho raný projev z konce minulého a počátku našeho století. Ukazuje se, že je v celém umělcově vývoji nejsilnější a nejpřesvědčivější a že se v pozdějších letech jen v určitých obdobích a již ne v takové míře probouzela jeho někdejší tvůrčí síla. ... Jeho brilantní technika byla doplňena a prohloubena lyrickou citlivostí, s níž dokázal ztvárnit subtilní krásu krajiny zamlžené za rozednívání, prosluněné poledním žárem nebo zasněné a nostalgické za svitu měsíce. Vytvořil také rozsáhlé portrétní řady nebo různé tematické a alegorické cykly. Jeho grafické dílo je velmi rozsáhlé a bylo několikrát odborně zpracováno. Má všechny znaky tradičího pojetí v přísných požadavcích na dodržení čistoty technického řešení, na vybrušování postupů a jejich co nejpřesvědčivějšího a nejvhodnějšího využití. Snad pravě dokonalost jeho kresby mu nedovolila vybočit z vžitých kolejí a nahlédnout za plot odcházejících představ spojených s koncem 19. století."
(Er offenbarte eine außergewöhnliche Begabung für die Zeichnung, die von Anfang an zur Grundlage seines graphischen und malerischen Schaffens wurde. Heute bestätigt sich im zeitlichen Abstand, wie feinfühlig und für die Periode des Symbolismus bezeichnend seine frühen Äußerungen vom Ende des letzten und Beginn unseres Jahrhunderts waren. Es zeigt sich, dass diese Phase in seiner ganzen künstlerischen Entwicklung am stärksten und überzeugendsten war und dass seine frühere Schaffenskraft in späteren Jahren nur in bestimmten Perioden und nicht mehr in solcher Stimmung zum Tragen kam. ... Seine brilliante Technik war erfüllt von lyrischer Einfühlsamkeit, mit ihr schaffte er es, die subtile Schönheit einer nebligen Landschaft genauso zu erfassen wie thematische und allegorische Motive. Sein graphisches Werk ist sehr umfangreich. Es hat alle Kennzeichen einer traditionellen Kunstauffassung mit strengen Ansprüchen hinsichtlich der Einhaltung der Reinheit der technischen Lösung, der Genauigkeit des Vorgehens und der überzeugendsten und passendsten Ausführung. Vielleicht erlaubte es ihm gerade dieser Vollkommenheitsanspruch nicht, eingefahrene Gleise zu verlassen oder einen Blick über den Zaun der Ideen zu werfen, die mit dem Ende des 19. Jahrhunderts verbunden sind.)


Seine künstlerischen Werke sind in erster Linie Zeichnungen mit Bleistift, Kohle und Feder sowie eine Vielzahl von Graphiken und Buchillustrationen. Er schuf ebenso Gebrauchsgrafiken, unter denen seine Briefmarkenentwürfe herausragen. Sein erster Entwurf für die Post ist die 4. Briefmarkenausgabe des neuen Staats der Tschechoslowakei, veröffentlicht anlässlich des 70. Geburtstags des Staatsgründers Tomáš Garrigue Masaryk am 7.3.1920. Gestochen von Eduard Karel zeigt es ein Masaryk-Porträt. Die Arbeiten an dieser Marke legen letztlich die Grundlagen für die weitere Entwicklung der im Jahr 1918 durch Alfons Mucha begründeten tschechoslowakischen Briefmarkentradition. Ausführliche Informationen zum Entstehen dieser Ausgabe sind auf der Seite zu Eduard Karel zu finden. Der sicherlich bekannteste Briefmarkenentwurf Švabinskýs ist ein weiteres Porträt T.G.Masaryks (gestochen von Karl Wolf, später nachgraviert von Jaroslav Goldschmied), das in den Jahren 1923-1927 in vielfachen Varianten Motiv der Dauerserien der Tschechoslowakei war. Nach Angaben des tschechischen Trojan-Katalogs summieren sich die Auflagen aller Varianten dieser Marke auf weit über 2,5 Milliarden Exemplare. Der Entwurf ist somit mit Sicherheit die am weitesten verbreitete Briefmarke der Tschechoslowakei.

Herausragend aus Švabinský's künstlerischem Schaffen sind seine zahlreichen Porträts bekannter Persönlichkeiten. Dies findet auch Niederschlag in seinen Briefmarkenentwürfen. Von den rund 70 Entwürfen sind etwa zwei Drittel Porträts. Die Auflistung der von Švabinský auf Briefmarken verewigten tschechischen und slowakischen Persönlichkeiten liest sich wie ein "Who's who" tschechoslowakischer Geschichte, Kunst, Kultur und Wissenschaft. Wenige Wochen vor seinem Tod erschien am 27.11.1961 eine Briefmarkenserie mit Schmetterlingen, insgesamt 9 Werte, die nicht nur die wahrscheinlich schönsten Entwürfe Švabinskýs sind, sondern auch die ersten Briefmarken der Tschechoslowakei im Mehrfarben-Tiefdruck. Seine nach dem Krieg veröffentlichten Briefmarkenentwürfe sind und bleiben untrennbar verbunden mit dem Briefmarkenstecher Jindra Schmidt, seinem kongenialen Partner und präzisen Umsetzer seiner Ideen, der praktisch alle Švabinský-Briefmarken stach. Dieser Zusammenarbeit ist auch eine eigene Seite gewidmet, die sich in dem Teil zu Jindra Schmidt befindet.

Bereits zu seinen Lebzeiten ehrte ihn die Post der Tschechoslowakei mit einer Sondermarke zu seinem 85. Geburtstag im Jahre 1958 durch eine Ausgabe mit seinem Werk "Básník a Musa" (Dichter und Muse). Zu seinem 1. Todestag wurde er selbst mit einem Selbstporträt dargestellt (s. oben). Später erschienen dann eine Reihe seiner Werke noch auf Briefmarken, und zwar:


- am 27.11.1972 im Rahmen der Serie "umění" (Kunstwerke) sein Bild "Kytice" (Blumenstrauß)

- zu seinem 100. Geburtstag am 17.9.1973 eine Serie mit 5 seiner Werke: Jan Křtitel (Johannes der Täufer), Srpnové poledne (Augustnachmittag), Splynutí duší (Hochzeit der Gefühle), Rajská sonáta (Paradies-Sonate), Poslední soud (Das jüngste Gericht).

Max Švabinský lebte und arbeitete einen Großteil seines Lebens in seiner Chaloupka im Dörfchen Kozlov nahe Česká Třebova. Er starb am 10.2.1962 in Prag, hochgeehrt durch staatliche Auszeichnungen, Titel und Ehrendoktorwürden als offizieller Nationalkünstler der Tschechoslowakei.