Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst

Osudy dobrého vojáka Švejka za světové války (4)

Die Abenteuer des braven Soldaten Švejk im Weltkrieg
von Jaroslav Hašek




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geboren am 17. November 1887 in Hrusice
gestorben am 14. Dezember 1957 in Prag

Josef Lada lernte den Schriftsteller Jaroslav Hašek im Jahre 1907 zum erstenmal kennen, als dieser Redakteur des anarchistischen Blattes "Nová Omladina" (Neue Jugend) war. Über viele Jahre entwickelte sich eine enge persönliche Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen beiden. Als Lada selbst im Jahr 1909 Redakteur der Zeitschrift "Karikatury" wurde, nimmt er auch ab und zu Beiträge Hašeks im Blatt auf. Von 1912 bis 1915 war Hašek sogar öfters Untermieter bei Josef Lada. In dieser Zeit - im Jahr 1913 - veröffentlichen beide ein gemeinsames Büchlein mit dem Titel "Kalamajka". Es enthält einerseits Lada-Zeichnungen ergänzt mit Sprüchen und andererseits kurze anekdotische Begebenheiten geschrieben von Hašek. Die erste von Josef Lada gezeichnete Švejk-Figur war auf dem Umschlag der ersten gebundenen Ausgabe der "Osudy dobrého vojáka Švejka za světové války", die im Juli 1921 im Verlag von Adolf Synek erschien. Übrigens ist diese Švejk-Zeichnung die einzige, die Jaroslav Hašek jemals gesehen hat. Nach Aussagen von Zeitzeugen war er mit dieser zeichnerischen Umsetzung seiner Romanfigur zufrieden.

Erst nach Hašeks frühem Tod begann Lada in größerem Umfang mit den Illustrationen zu Hašeks Roman. In den Jahren 1923-1925 veröffentlichte Lada in der Zeitschrift "České slovo" einen umfangreichen Bilderzyklus mit Motiven aus dem Švejk. Bis zum Jahr 1951 erscheinen eine ganze Reihe neuer, aber auch veränderter schwarz-weiß Zeichnungen der Illustrationen. Schließlich arbeitete Lada von 1953-1955 seine Švejk-Illustrationen farbig um. Nach Meinung vieler Kritiker besitzen diese Farb-Illustrationen nicht die Qualität der ursprünglichen schwarz-weiß Zeichnungen. Insgesamt schuf er zu Hašeks Roman 697 schwarz-weiß und 212 Farbzeichnungen, für weitere Hašek-Werke kommen nochmals 410 schwarz-weiß-Zeichnungen und 20 farbige Buchumschläge hinzu. Die Gesamtzahl von 1339 Illustrationen für Hašeks Werke unterstreicht die enge Beziehung Josef Ladas zu diesem Schriftsteller.

Weitere Szenen und Zitate aus dem Roman

dargestellt an den Bildern der Markenheftchen der Švejk-Ausgabe

V Čechách je originální humor, jadrný, opravdu vtipný
a český člověk se dovede s humorem přenést i přes svízelné situace.

(In Böhmen ist der originale Humor kernig, wirklich witzig
und der Tscheche bringt es fertig, sich mit Humor auch über schwierige Situationen zu bringen.)



Josef Lada: O českém humoru (Über tschechischen Humor)

Arcivévoda Ferdinand
(Erzherzog Ferdinand)
aus dem 1. Kapitel des I. Buchs
Zasáhnutí dobrého vojáka Švejka do světové války
(Das Eingreifen des braven Soldaten Švejk in den Weltkrieg)

Bretschneider
"'Vy ale máte divná přirovnání,' řekl Bretschneider významně, 'mluvíte napřed o Ferdinandovi a potom o obchodníku s dobytkem.' 'Ale nemám,' hájil se Švejk, 'bůh mě chraň, abych já chtěl někoho k někomu přirovnávat. Pan hostinský mne zná. Viď že jsem nikdy nikoho k někomu nepřirovnával? Já bych jenom nechtěl být v kůži té vdovy po arcivévodovi. Co teď bude dělat? Děti jsou sirotkové, panství v Konopišti bez pána. A vdávat se zas za nějakého nového arcivévodu? Co z toho má? Pojede s ním zas do Sarajeva, a bude vdovou podruhé.'"

"Sie ziehen aber merkwürdige Vergleiche", sagte Bretschneider bedeutungsvoll, "zuerst sprechen Sie von Ferdinand und dann von einem Viehhändler." "I wo", verteidigte sich Švejk, "Gott bewahre, dass ich jemand mit jemandem vergleichen möcht. Der Herr Wirt kennt mich. Nicht wahr, ich hab nie jemanden mit jemandem verglichen? Ich möcht nur nicht in der Haut der Frau Erzherzogin stecken. Was wird sie jetzt machen? Die Kinder sind Waisen, die Herrschaft in Konopischt ohne Herrn. Soll sie sich wieder mit irgendeinem Erzherzog verheiraten? Was hätt sie davon? Sie wird mit ihm wieder nach Sarajevo fahren und wird zum zweitenmal Witwe wern."

Breviář
(Das Brevier)
aus dem 12. Kapitel des I. Buchs
Náboženská debata
(Eine religiöse Debatte)

Kurat
"'Breviář mám v kuchyni. Švejku, přineste ho sem a otevřete na třetí straně.' Švejk odešel a z kuchyně ozvalo se třikrát za sebou vytáhnutí zátky z lahví vína.Nábožný kurát byl zdrcen, když se na stole objevily tři láhve. 'Je to mešní lehké víno, pane kolego,' řekl Katz, 'velice dobré jakosti, ryzlink. Chutí podobá se moselskému.'"

Das Brevier hab ich in der Küche. Švejk, bringen Sie es her und schlagen Sie's auf der dritten Seite auf!" Švejk ging und in der Küche war dreimal hintereinander das Herausziehen des Stöpsels aus einer Weinflasche zu hören. Der fromme Kurat war erschüttert, als sich auf dem Tisch die drei Flaschen fanden. "Das ist ein leichter Messwein, Herr Kollege", sagte Katz, "eine sehr gute Sorte, Riesling. Im Geschmack erinnert er an Mosel."

Jednoroční dobrovolník
(Der Einjährigfreiwillige)
aus dem 2. Kapitel des II. Buchs
Švejkova budějovická anabaze
(Švejks Anabasis nach Budweis)

Kanonier Jaburek
"'Tak mně připadá,' řekl jednoroční dobrovolník po krátké pomlčce, 'že duch vojenský v nás upadá, navrhuji, milý příteli, abychom v noční tmě, v tichu našeho vězení si zazpívali o kanonýrovi Jabůrkovi. To povznese vojenského ducha. Ale musíme řvát, aby to bylo slyšet po celých Mariánských kasárnách. Navrhuji proto, abychom se postavili ke dvěrím.' A z arestu ozval se za chvíli řev, až se na chodbě okna třásla: '... A u kanónu stál ...' "

"Mir scheint", sagte der Einjährigfreiwillige nach einer kurzen Pause, "dass der kriegerische Geist bei uns verfällt, ich schlage vor, lieber Freund, dass wir mal in der nächtlichen Finsternis, in der Stille unseres Kerkers das Lied vom Kanonier Jaburek singen. Das stärkt den kriegerischen Geist. Aber wir müssen brüllen, damit man es in der ganzen Marienkaserne hört. Ich schlage deshalb vor, dass wir uns zur Tür stellen". Und aus dem Arrest ertönte bald darauf ein Gebrüll, das auf dem Gang die Fenster zum Zittern brachte: " ... A u kanonu stál ..." (Und bei der Kanone stand).


Den Abschluss dieses kleinen Streifzugs durch Jaroslav Hašeks "Švejk" soll ein kurzes Zitat bilden, das mir als Deutschen besonders gut gefallen hat, zeigt es doch die enge Beziehung zwischen Tschechen und Deutschen in der Vergangenheit. Es könnte überschrieben sein:

Von der Schwierigkeit des Kuraten Martinec, Tscheche zu sein

"Při slově 'krajana' podíval se kurát Martinec utrápeně na generála. Již několikráte odmítl domněnku, že by byl Čechem, a vysvětlil již bezpočtukráte, že k jejich moravské farnosti patří dvě obce, česká a německá, a že on kolikrát musí jeden týden kázat pro Čechy a druhý pro Němce, a poněvadž v české obci není žádná česká škola, jenom německá, proto že on musí vyučovat v obou obcích německy, a proto on není žádný Čech."

Bei dem Wort "Landsmann" schaute Kurat Martinec schmerzerfüllt auf den General. Schon einigemal hatte er die Vermutung zurückgewiesen, er wäre ein Tscheche, und schon unzähligemale hatte er erklärt, dass zu seiner mährischen Pfarrei zwei Orte gehören, ein tschechischer und ein deutscher, und dass er öfters die eine Woche für die Tschechen und die andere für die Deutschen predigen müsse, und weil es im tschechischen Ort keine tschechische Schule, sondern nur eine deutsche gebe, daher müsse er in beiden Orten deutsch unterrichten, und deshalb sei er kein Tscheche.

aus dem 1. Kapitel des IV. Buchs Švejk v transportu ruských zajatců (Švejk im Transport russischer Kriegsgefangener)

Weitere Lada-Werke auf Briefmarken in der Galerie:
Vodník * Divotvorný meč * Děti v zimě

Szenen aus dem Švejk-Roman:
Na Bělehrad * Kradený pes * Švejkova anabaze * Weitere Szenen * Der erste Švejk