Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst

Die Welt
tschechischer und slowakischer
Graphik- und Briefmarkenkunst

© 1998 by Gerhard Batz

Die Abbildung zeigt einen der schönsten Blöcke der Tschechoslowakei aus dem Jahr 1934 mit der tschechischen Nationalhymne,
gestochen von Karl Seizinger.


Einführung

Wer sich intensiver mit den Briefmarkenausgaben der Postverwaltungen auf dem Boden der früheren Tschechoslowakei (ÈSR, Böhmen und Mähren, Slowakei, ÈSSR, ÈSFR, Tschechische und Slowakische Republik) beschäftigt, wird bald fasziniert sein von dem hohen künstlerischen Anspruch der Briefmarken dieser Gebiete. Mit der Zeit wird einem klar werden, dass dieser hohe Anspruch im wesentlich daraus resultiert, weil man hohe handwerkliche Maßstäbe anlegte. Dies geschah und geschieht primär dadurch, dass die allermeisten Briefmarken dieser Gebiete von herausragenden Künstlern dieses Landes gestaltet werden. Die Tradition begann schon mit der ersten Marke der Tschechoslowakei, die von einem der größten Künstler des Jugendstils, Alfons Mucha, entworfen wurde. Ebenso gestalteten namhafte Künstler des neuen Staates die nächsten Briefmarkenausgaben, z.B. die zweite und dritte Briefmarkenausgabe - die sog. Legionärsmarken - der Bildhauer Jakub Obrovský und die vierte - ein Porträt des Staatsgründers T.G. Masaryk - der Maler und Grafiker Max Švabinský. Als Ausdruck der engen Verbindung der Briefmarkenkunst mit der gesamten bildenden Kunst der Tschechoslowakei ist zu werten, dass auch fast alle übrigen Briefmarken der ersten Republik nach Vorlagen von Werken bekannter Künstler des Landes gestaltet wurden. So gibt es auf Briefmarken u.a. Bilder der Maler MikolᚠAleš (MiNr. 283/284), Josef Mánes (MiNr. 330/331, 286/287, 342-344), Václav Brožík (MiNr. 347), František Ženíšek (MiNr. 316/317) und Felix von Jenewein (MiNr. 285) oder der Bildhauer Stanislav Sucharda (MiNr. 315-318) und Otakar Španiel (MiNr. 377/378).

Die Tradition der tschechischen und slowakischen Briefmarkenkunst ist also nicht zu trennen von der Geschichte und Tradition der gesamten bildenden Kunst, insbesondere aber der Graphik-Kunst des Landes, die dann v.a. nach dem Krieg das Bild tschechoslowakischer Briefmarken prägte. Dies macht ein Zitat aus dem empfehlenswerten Buch "Èeská grafika XX. století" (Tschechische Graphik des 20. Jahrhunderts, S. 320), herausgegeben von der Hollar-Vereinigung, deutlich:
"Am Anfang stand Vojtìch Preissig, der die Erfahrungen seines Aufenthaltes in Übersee in der Anwendung der Möglichkeiten der freien Graphik und der besonderen graphischen Gestaltung von Büchern zur Geltung brachte, František Kupka führte später die Nutzung der abstrakten Kompositionen in der Graphik ein. Einen visionären Appell an die nationalen geistigen Hoffnungen richtete der Bildhauer und Holzschnitzer František Bílek, während T. F. Šimon und Viktor Stretti ihre Talente auf die Vervollkommnung der Technik konzentrierten".

Die hier erwähnten Protagonisten der tschechischen Graphik- und auch Briefmarkenkunst sind daher auch auf den folgenden Seiten bzw. der Galerie vertreten und können - wenn Sie wollen - bereits von hier aus über einen link erreicht werden.


In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg bis zur Auflösung der Tschechoslowakei wurden die allermeisten Briefmarken des Landes von Mitgliedern der "Hollar-Vereinigung" der graphischen Künstler der Tschechoslowakei SÈUG Hollar (Sdružení èeských umìlcù grafiku HOLLAR) entworfen, benannt nach dem böhmischen Maler und Graphiker Václav Hollar (1607-1677), dessen Porträt auf der unten abgebildeten Briefmarke aus dem Jahr 1953 zu sehen ist.

St.Adalbert
Dies mag auch der Grund dafür sein, dass es besonders viele Werke von Hollar auf tschechoslowakischen Briefmarken gibt. Für deutsche Sammler interessant ist, dass eine aktuelle Briefmarke der Bundesrepublik ebenfalls aus den Reihen der Hollar-Vereinigung kommt. Die im April 1997 veröffentlichte Gemeinschaftsausgabe zum Heiligen Adalbert (siehe links) stammt von Vladimír Suchánek, dem langjährigen Vorsitzenden.

Die hohen handwerklichen Maßstäbe, die man in der Tschechoslowakei sowie in der heutigen Tschechischen Republik und in der Slowakei - und interessanterweise auch während der deutschen Besatzung (Böhmen und Mähren) - an die Briefmarkenkunst stellte, wird u.a. auch dadurch deutlich, dass bei der Auswahl der Briefmarkenstecher genauso sorgfältig vorgegangen wurde wie bei den entwerfenden Künstlern. Diese Stecher waren bzw. sind als Angestellte oder regelmäßig tätige freie Mitarbeiter an die "Státní tiskarna cenin" (Staatliche Wertpapierdruckerei) gebunden. Diese bewusste Beschränkung führte dazu, dass in 80 Jahren tschechischer/slowakischer Briefmarkengeschichte kaum mehr als 20 Stecher die Briefmarken schufen. Als Mitarbeiter der Wertpapierdruckerei zeichnen viele dieser Briefmarkenstecher auch für die Banknoten ihres Landes verantwortlich oder waren oft auch selbst als Briefmarkenentwerfer tätig. Die enge Verbindung von Briefmarken- und Banknotenstich in der Tschechoslowakei wird in dieser Galerie durch eine eigene Abteilung mit Beispielen von Banknoten gewürdigt.

Vaclav Hollar Umgesetzt wurde und wird der hohe Anspruch an die Briefmarken nicht zuletzt in hochwertigen Druckverfahren. Man verzichtet weitestgehend bewusst auf die üblichen für Massendruck geeigneten Verfahren, sondern konzentriert sich auf relativ niedrige Auflagen, bei denen dann z.B. der graphisch sehr anspruchsvolle Stahlstichtiefdruck dominiert, der häufig wie bei Graphiken von der flachen Platte ausgeführt wird. Die Briefmarken selbst sind wie Kunstwerke quasi "signiert", d.h. Sie finden auf der Marke in jedem Fall die Namen des jeweiligen Entwerfers und auch des Stechers. Welche Bedeutung man den "Handwerkern" unter den Briefmarkenkünstlern, den Stechern, in der Tschechoslowakei zumaß, drückt sich in verschiedenen Briefmarkenausgaben aus, auf denen die tschechoslowakische Post Briefmarkenstecher ehrte.

Wenige Wochen nach der Gründung der Tschechoslowakei am 28.10.1918 gab die Postverwaltung des neuen Staates am 18. Dezember ihre erste Briefmarke heraus, die bekannte Hradschin-Marke von Alfons Mucha. Dieser Tag war seitdem immer ein besonderer Tag für die tschechischen und slowakischen Philatelisten. Zu den "runden" Jubiläen, erstmals 1948 und dann jeweils in 10-Jahres-Abständen wurde an diesem Tag der ersten Briefmarke mit Block- oder Sondermarkenausgaben gedacht.

Am 18. 12. 1965 veröffentlichte man erstmals eine Briefmarke, die offiziell diesen Tag als Tag der tschechoslowakischen Briefmarke (Den èeskoslovenské poštovní známky) benannte. In den folgenden Jahren erschien dann jeweils am 18.12. eine Ausgabe mit Postmotiven in immer gleichem Format. Im Jahre 1978 (Alfons Mucha) und dann ab 1981 (Eduard Karel) jährlich wurden verschiedene Briefmarkenkünstler (Entwerfer oder Stecher) geehrt.

Die Ausgaben dieser Reihe weckten mein persönliches Interesse an tschechischen und slowakischen Briefmarkenkünstlern. Ich begann, die Ausgaben dieser Reihe zu einer Motivsammlung zusammenzustellen (über den link können Sie eine Übersicht erreichen, wo alle Ausgaben dieser Reihe zusammengefasst sind und in einer "slideshow betrachtet werden können). Das brachte auch mit sich, dass ich viele Informationen über diese Personen sammelte und in meiner Sammlung verarbeitete. Teile aus dieser Sammlung mit verschiedenen Informationen zu den Künstler und ihre Briefmarken werden auf den folgenden Seiten ausführlicher vorgestellt.

Neben dem Beachten hoher künstlerischer Maßstäbe bei der Briefmarkengestaltung, haben sich die Postverwaltungen sowohl der alten Tschechoslowakei als auch der Nachfolgestaaten Tschechische Republik und Slowakei immer auch der Kunstdarstellung auf Briefmarken verschrieben. Davon geben eine große Anzahl von regelmäßigen Serien mit Kunstwerken Zeugnis. Die bekannteste dieser Serien bzw. Reihen ist die jährliche Ausgabe "Umìní" (Kunst), die jeweils im November das Briefmarkenjahr abschließt. Aus dieser Serie stammt auch eine Vielzahl der im folgenden gezeigten Marken. Natürlich wurde diese Reihe ebenfalls sehr stark durch Mitglieder der Hollar-Vereinigung geprägt und startete wie selbstverständlich im Jahr 1966 mit einem Bild von Václav Hollar. Eine komplette Zusammenstellung der inzwischen mehr als 100 Werke, die bisher im Rahmen der "Umìní-Serie" auf Briefmarken erschienen, sind in einer Übersicht zusammengefasst. Die in der Galerie ausführlich gewürdigten Briefmarken sind von dort aus durch einen link erreichbar.

Neben der Serie "Umìní" gibt und gab es in der Tschechoslowakei eine Reihe weiterer Kunstbriefmarken und -reihen, aus denen in den Abteilungen der Galerie ebenfalls das eine oder andere Beispiel zu finden ist. Es würde aber entschieden zu weit führen, wenn man versuchen wollte, alle Kunst-Briefmarken oder -Serien der Tschechoslowakei auf dieser zu besprechen und zu würdigen. Die vielen Beispiele auf den folgenden Seiten geben aber einen einigermaßen repräsentativen Überblick, da aus den meisten Serien Beispiele zu finden sind.

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Betreten Sie daher nun die erste Abteilung der Galerie, in der Sie durch die verschiedensten Briefmarkenausgaben eine Einführung und einen komprimierten Überblick zur tschechischen und slowakischen bildenden Kunst und ihrer Geschichte erhalten. Da eine umfassende Kunstgeschichte beider Länder im Rahmen dieser Galerie natürlich nicht sinnvoll ist, beschränkt sich diese einführende Abteilung in erster Linie auf Künstler, die durch ihr Werk maßgeblichen Einfluss auf die Tradition und die Entwicklung der tschechischen und slowakischen Briefmarkenkunst hatten.


Den Mittelpunkt der Galerie bilden drei Hauptabteilungen, die sich mit der Geschichte, den Hintergründen und vor allem mit den Künstlern - Entwerfern und Stechern - der tschechischen und slowakischen Briefmarken beschäftigen.
   
Wenn Sie also nur dieses Thema interessiert, gehen Sie bitte unmittelbar in diese Abteilungen und lassen sich mittels der grauen Pfeile durch die Abteilungen führen. Sie können auch über das

einsteigen, das sämtliche tschechischen und slowakischen Briefmarkenkünstler enthält. Über links erreichen Sie die in der Galerie ausführlicher gewürdigten Künstler.

Nicht vergessen sollten Sie auch den Besuch in den übrigen themenbezogenen "Sonderausstellungen" der Galerie
   

Weiterführende und ausführlichere Literatur, die auch als Quellen für die Informationen dieser website diente, ist auf einer eigenen Literaturseite zusammengestellt.

Besuchen Sie auch die Seite der Arbeitsgemeinschaft Kunstgeschichte im BdPh.