Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst
Briefmarke * Biographie * Stich




Ausschnitt aus dem Block der Neuausgabe von Herèíks Briefmarke
2. Juli 1981, MiNr. Block 45

Anlass für den Auftrag an Josef Herèík, Picassos Werk auf Briefmarke umzusetzen, war der 30. Jahrestag des Beginns des Spanischen Bürgerkriegs und die in diesem Zusammenhang erfolgten Gründung der sog. Internationalen Brigaden, die auf der Seiten der Gegner Francos kämpften. Maßgeblich für die Wahl dieses Picasso-Bildes als Motiv für die Ausgabe war als damaliger Vorsitzender der Briefmarken-Kunstkommission Adolf Hoffmeister, der Picasso persönlich sehr gut kannte und ihn zur Zustimmung bewegen konnte. Herèíks größtes Problem war es natürlich, das überdimensionale Bild sinnvoll und treffend auf die kleinen Ausmaße einer Briefmarke zu reduzieren. Figuren des Bildes, die in Hunderten von Zentimetern zu messen sind, können auf der Briefmarke nicht größer sein als ein paar Millimeter. Insofern war die Aufgabe äußerst ungewöhnlich und mit Sicherheit nicht leicht. Der Stecher wird gezwungen, das Gemälde mit vielfältigen Verkleinerungen in die strenge asketische Form einer graphischen Miniatur zu bringen. So musste Herèík ein grundsätzliches Konzept für seine Umsetzung finden, auch dafür, das Ölbild an die technischen Möglichkeiten des Stahlstichs anzupassen. Die durch beinahe unerträgliche Verkleinerungen von Partien und Formen erzwungene optische Deformierung erforderte eine insgesamt andere Transposition in Striche und Punkte wie es bei einer normalen Briefmarke erforderlich gewesen wäre.

Herèík ist die Lösung der stecherischen Probleme optimal gelungen. Dies bezeugen eine Vielzahl von Preisen und Auszeichnungen, die er für die Briefmarke erhielt, u.a. bereits im Jahr des Erscheinens den ersten Preis im Wettbewerb der europäischen Briefmarkengestaltung. Picasso selbst ließ Herèík durch seinen engen Freund, den Kunstkritiker Henry Kahnweiler beglückwünschen. 15 Jahre später - im Jahr 1981 - wurde Herèíks Stich ein zweites Mal in Blockform veröffentlicht.

Briefe mit Herèíks Briefmarke durften während der Zeit Francos in Spanien nicht befördert werden. Die spanische Postverwaltung kennzeichnete die Briefe mit einem Aufdruck, der Artikel 28, Abschnitt 1d des UPU-Vertrags von Wien aus dem Jahr 1964 zitierte, und schickte diese zurück an den Absender. Erst später, als Franco versuchte, das Gemälde nach Spanien zu holen, wich man von dieser Haltung ab.

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Eine ganze Reihe exzellenter Originalstiche mit Briefmarkenentwürfen von Josef Herèik finden sich unter dem Titel
Èernobílé album rytin Josefa Herèíka
auf der Homepage seines Sohnes Josef Herèík ml.