Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst






EDUARD KAREL
tschechischer Graphiker und Briefmarkenstecher
geboren am 20. Januar 1861 in Smiøice
gestorben am 18.10.1950 in Turnov


entworfen von Cyril Bouda
gestochen von Ladislav Jirka
Ausgabetag:
18. Dezember 1981, MiNr. 2646



T. G. Masaryk

TOMÁŠ GARRIGUE MASARYK
gestochen von Eduard Karel
nach einem Entwurf von Max Švabinský

erster Versuch der tschechoslowakischen Post,
eine Briefmarke im Stahlstichtiefdruck herzustellen

Ausgabetag: 7. März 1920, MiNr. 161
zum 70. Geburtstag des Staatsgründers
Das Jahr 1920 stellt in der Geschichte der tschechoslowakischen Briefmarkenproduktion einen wichtigen Einschnitt dar. Zwei Jahre nach der Staatsgründung wagte die tschechoslowakische Post erstmals den Versuch, neue Wege bei der Konzeption und der Herstellung von Briefmarken zu gehen. Man wollte den eher anspruchsloseren Buchdruck, in dem die ersten Ausgaben des Landes gedruckt waren, aufgeben und sich dem Stahlstichtiefdruck zuwenden. Als Anlass sollte der 70. Geburtstag des Staatsgründers und ersten Präsidenten der neuen Republik, TomᚠGarrigue Masaryk, dienen. Schon Anfang 1919 erhielt der damals bereits bekannte Maler und Graphiker Max Švabinský (1873-1962) den Auftrag, ein Porträt Masaryks zu fertigen. Der Künstler war sich des hohen Symbolwerts seines ersten Briefmarken-Auftrags natürlich bewusst und auch der Popularität, die sich für ihn daraus ergab. Insofern ging er mit großer Gewissenhaftigkeit an die gestellte Aufgabe heran. Bereits aus dem Mai 1919 stammt ein erster Porträtentwurf in Form einer Tuschezeichnung (301 x 215 mm), der heute im Besitz des Prager Postmuseums ist.

Sehr bald aber musste Švabinský feststellen, dass es eine Reihe technischer Schwierigkeiten für die Umsetzung auf Briefmarken gab, weil die Post die technischen Voraussetzungen für einen perfekten Stahlstichrotationsdruck erst drei Jahre später haben sollte. Ihm war klar, dass er in jedem Fall seine Ansprüche zurückschrauben musste. Um trotzdem das bestmögliche Ergebnis zu erzielen, zog er relativ bald den damals führenden Stecher des Landes Eduard Karel zu Rate. Karel unterhielt neben seiner Professur an der Hochschule für angewandte Kunst in Prag eine spezielle private Schule für Gebrauchsgraphik, zu dessen bekanntesten Schülern auch Bohumil Heinz gehörte. Karels reicher Erfahrungsschatz machte ihn für viele künstlerische Projekte der damaligen Zeit zu einem geschätzten Ratgeber. Mit seiner Hilfe vollendete Švabinský seinen Entwurf und Karel selbst setzte ihn als Stahlstich um. Da zu dieser Zeit noch keine staatliche Druckerei für Wertpapiere existierte übernahm das Graphikinstitut "Unie" den Druck. Auch hierbei kamen dem Projekt die guten Beziehungen Karels zu dieser Firma zugute, bei der er von 1899 bis Ende 1919 selbst gearbeitet hatte.

Švabinskýs Entwurf bedient sich der Mittel seiner vielen Porträt-Holzschnitte. Zur Modellierung des Kopfes benutzte er viele Schraffuren und setzte das Porträt in einen ovalen Kranz mit Früchten. Bei seinem Entwurf orientierte er sich im wesentlichen an zwei Vorbildern. Zum einen an den Beispielen amerikanischen Briefmarken dieser Zeit, die es ebenfalls lieben, Porträts mit Girlanden, Kränzen und anderen symbolischen Attributen zu verzieren. Auf der anderen Seite kann man annehmen, dass auch österreichische Vorbilder ihn geführt haben. Insbesondere hat Švabinský offenbar der österreichische Briefmarkensatz mit den Porträts berühmter Habsburger aus dem Jahr 1908 stark beeinflusst. Dieser Satz wurde von Koloman Moser entworfen und von Ferdinand Schirnböck gestochen. Letzteren kannte Švabinský persönlich und gemeinsam mit ihm arbeitete er auch bei der Gestaltung einer 100 Kès-Banknote der Tschechoslowakei zusammen. Ausführlicheres zur Geschichte dieser Banknote in der Banknotenabteilung der Galerie.

So groß die Gewissenhaftigkeit war, mit der Švabinský und Eduard Karel an die Ausführung dieser Briefmarke herangingen, so groß muß die Enttäuschung gewesen sein, als sie das Ergebnis ihres Werkes in Form der tatsächlichen Briefmarke sahen. Vor allem die Verwendung eines getönten Kreidepapiers beim Druck führte dazu, dass sowohl die bläulich-graue 125-Heller-Wertstufe (siehe links) wie auch die grau-bräunliche 1000-Heller-Marke äußerst blass wirkten. Bei Švabinský, der in seinen Werken üppige Farbigkeit liebte, kam dieses Ergebnis seines Werkes sehr überraschend. Man probierte weiter, den Druck zu verbessern, u.a. bei der 125-h-Marke durch blaue Farbe auf weißem Papier (daher gibt es auch zwei Farbvarianten dieser Ausgabe) - das Ergebnis aber war und blieb ausdruckslos. Dies führte schließlich dazu, dass sowohl die tschechoslowakische Post weitere Versuche mit dem Stahlstichdruck vorerst "auf Eis legte", als auch Švabinský sich zunächst nicht mehr für weitere Versuche zur Verfügung stellte.