Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst

II.
Jaroslav Benda (1882-1970)

Holubice
(1920)

Holubice

Jaroslav Benda: HOLUBICE
Ausgabetag: 20. Januar 1996, MiNr. 101
Graphische Aufbereitung und Stich: Bedřich Housa
kombinierter Stahlstich- und Rastertiefdruck
Originalmarke: Entwurf für 2 h nicht erschienen, erste Ausgabe "holubice" 5 h (MiNr. 162), erschienen am 1. Juni 1920

 

Alternativ-Entwürfe Bendas zur Holubice-Ausgabe



Weiterer Benda-Entwurf
Zwei Briefmarkenentwürfe für die Post der Tschechoslowakei mit der Darstellung einer Taube (tschechisch: holubice) machten den Graphiker und Designer Jaroslav Benda unter Philatelisten weltbekannt. Der ursprüngliche Entwurf, der das Motiv der links abgebildeten Briefmarkenausgabe ist und auf der im Unterschied zu der späteren Briefmarkenausführung noch Sterne zu sehen sind, entstand in der unmittelbaren Zeit nach der Gründung der Tschechoslowakei im Rahmen verschiedener Wettbewerbe, die von der neu gegründeten Postverwaltung im Auftrag der Regierung durchgeführt wurden. Den Anstoß dazu gab der an der Hochschule für angewandte Kunst in Prag tätige František Kysela, als er seine Freunde Jakub Obrovský, V. H. Brunner und auch Jaroslav Benda zur Abgabe von Entwürfen aufforderte. "Holubice" (MiNr. 162-169) war zusammen mit V. H. Brunners Entwurf einer der beiden Sieger-Entwürfe des Wettbewerbs. Benda selbst erinnert sich an diese Zeit und beschreibt wie es zur Jury-Entscheidung über die Entwürfe kam und welchen Einfluss dabei sein Freund und Professoren-Kollege an der Prager Akademie, der Bildhauer Jan Štursa (1880-1925) hatte:

"Štursa měl zájem o všecku práci. Potkali jsme se za deštivého dne. Nesl jsem čtyři kresby na novou poštovní známku. -'Co to neseš?' -'Je užší soutež na známky. Švabinský, Kupka, Obrovský, Kysela, Brunner a taky já!' -'To chci vidět. Ukaž to!' -'Mistře, mně to zmokne a ty tomu nerozumíš!' -'Nemluv, ukaž to! Kdo ti to může rozhodnout, když ne já?" Ukazal z těch čtyř hned na kresbu s holubici. -'Vyhráls to. Nemůže tam být nic jiného na první cenu!' Kresba byla přijata a měla mezinárodní úspěch. Na podzím mi připadla cena České akademie. Za tu známku. Řekli mi, že na návrh Jana Štursy."
(Štursa hatte an jeder Arbeit Interesse. Wir trafen uns an einem regnerischen Tag. Ich trug gerade vier Zeichnungen für neue Briefmarken bei mir. -"Was trägst du da?" -"Es ist ein Briefmarkenwettbewerb. Švabinský, Kupka, Obrovský, Kysela, Brunner und auch ich!" -"Das will ich sehen. Zeig es mir!" -"Meister, ich werde dabei nass und du verstehst das nicht!" -"Rede nicht, zeig es mir! Wer kann dir das entscheiden, wenn nicht ich?" Er zeigte von den vier Zeichnungen sofort auf die Zeichnung mit der Taube. -"Damit gewinnst du. Das da kann nichts anderes sein als der erste Preis!" Die Zeichnung wurde angenommen und hatte internationalen Erfolg. Im Herbst fiel mir der Preis der Tschechischen Akademie zu. Für diese Briefmarke. Man sagte mir, auf Vorschlag von Jan Štursa.)


Jaroslav Benda wurde am 27. April 1882 in Prag geboren, wo er auch am 12. Januar 1970 starb. Nach seinem Sieg in dem Entwurfs-Wettbewerb, berief ihn Kysela als Professor an die Kunstakademie in Prag, wo er eine Spezialschule für Gebrauchsgraphik unterhielt und über viele Jahre als Professor tätig war. Dort schuf er auch weitere Briefmarkenentwürfe, mit denen er an verschiedenen Wettbewerben teilnahm, die aber nicht veröffentlicht wurden. Einer davon ist links in schwarz-weiß zu sehen.

Im Jahre 1988 ehrte ihn die tschechoslowakische Post mit einer Gedenkmarke. Hierauf ist ein weiteres Taubenmotiv angedeutet, das als Zeitungsmarke Verwendung fand. Die obige Briefmarke mit dem ersten Taubenmotiv Bendas wurde im Rahmen der "Tradice"-Serie im Jahr 1996 veröffentlicht. Die Erstausgabe erschien im Jahr 1920 und war das Motiv einer Dauerserie mit insgesamt 6 Wertstufen. Das Holubice-Motiv der Zeitungsmarke erschien erstmals im Jahre 1937 und wurde in zwei Serien mit unterschiedlicher Landesbezeichung in der Zeit des Protektorats Böhmen und Mähren von der deutschen Besatzung übernommen (MiNr. 42-51, 117-126). Nach dem 2. Weltkrieg gibt es noch zwei Briefmarkenausgaben mit Motiven von Jaroslav Benda: die erste eine "Allegorie der Revolution" zum 30. Jahrestag der Oktoberrevolution, erschien am 26.10.1947 (MiNr. 527/528) und ein von Benda entworfenes Sportabzeichen zu den Ski-Wettbewerben um den Tatrapokal am 15.2.1950 (MiNr. 606).