Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst

IV.
Jakub Obrovský (1882-1949)

Hospodáøství a vìda
(1920)


Hospodarstvi a veda

Jakub Obrovský: HOSPODÁØSTVÍ A VÌDA
Ausgabetag: 20. Januar 1998, MiNr. 165
Graphische Aufbereitung: Jaroslav Fišer
Stich: Václav Fajt
kombinierter Stahlstich- und Rastertiefdruck
Originalmarke: erste Marke des Motivs MiNr. 183, 17. Juni 1920
Die zweite und dritte Briefmarke der Tschechoslowakei wurde von einem der bekanntesten Bildhauer des Landes, Jakub Obrovský gestaltet. Geboren am 23.12.1882 in Bystrè bei Brünn und gestorben am 31. März 1949 in Prag schuf er insgesamt drei Briefmarkenentwürfe. In seinen Erinnerungen beschreibt ihn sein Freund Jaroslav Benda als eine äußerst faszinierende Persönlichkeit:

"Byl snìdý, èernovlasý, divoký jako cikán. Na moravském venkovì chodil k cikánským vozùm a ohòùm, maloval a miloval cikánky. Byl náruživý a zùstal takový po celý život. ... Rád se chlubil - také èasto mnì - že jeho dìd byl náruživý pytlák, ... Byl sdílný a mìl dar sdílnosti. O svých osudech psal a do svých knih kreslil."
(Er war bräunlich, dunkelhäutig, wild wie ein Zigeuner. In seiner mährischen Heimat ging er zu Zigeunerwagen und Lagerfeuern, er malte und liebte Zigeuner. Er war leidenschaftlich und blieb so sein ganzes Leben. ... Gern prahlte er damit - auch mir gegenüber - daß sein Großvater ein leidenschaftlicher Wilderer war, ... Er war mitteilsam und hatte die Gabe der Mitteilsamkeit. Über seine Erlebnisse schrieb er und zu seinen Büchern zeichnete er.)


Bereits 1919 erschienen erstmals Briefmarken mit Entwürfen Obrovskýs. Obwohl er mit seinen beiden Entwürfen "Kettensprengender Löwe" und "Mutter Republik" im Juni 1919 beim Wettbewerb für die Briefmarken zum ersten Jahrestag der Staatsgründung hinter Vratislav Hugo Brunner und Jaroslav Benda nur den dritten Preis erreichte, wurden diese trotzdem den Siegerentwürfen vorgezogen und gingen als sogenannte "Legionärsmarken" in die Briefmarkengeschichte ein. Allerdings waren diese Ausgaben nur ganze 8 Tage gültig und sind somit die Ausgaben der Tschechoslowakei mit der kürzesten Gültigkeitsdauer. Insofern ist es nicht überraschend, dass diese Ausgabe in der Beliebtheit und Bekanntheit deutlich hinter dem dritten Obrovský-Entwurf mit dem Titel "Hospodáøství a vìda" (Wirtschaft und Wissenschaft, MiNr. 183-188 u.a.) zurücksteht. Auch dieser Entwurf entstand im Rahmen eines weiteren Wettbewerbs, als Ende 1919 Obrovský zusammen mit Jaroslav Benda, Vratislav Hugo Brunner und Alfons Mucha um Vorlagen gebeten wurden. Alle vier vorgelegten Entwürfe der eingeladenen Künstler wurden berücksichtigt, auch das von Obrovský unter dem Titel "Slovanská vìda a hospodáøství" (Slawische Wissenschaft und Wirtschaft) vorgelegte Motiv. Dieser Ur-Entwurf ist auf der 1998 erschienen Marke der Tradice-Serie zu sehen (siehe oben). Die erste Ausgabe des Motivs erschien am 17.6.1920, eine Neuauflage erfolgte im Jahr 1923.

Während längerer Aufenthalte in Italien beschäftigte er sich mit der klassischen Kunst der Römer und Griechen sowie den künstlerischen Ausdrucksformen der Renaissance. Die Einflüsse dieser Italien-Aufenthalte bzw. die klassischen Einflüsse sind in seinen Werken unübersehbar. Auf der Rückseite des Markenheftchens mit dieser Marke wird über Obrovský u.a. geschrieben: "In seinem malerischen Schaffen zeigte er einen romantischen Idealismus. Er ist Schöpfer zahlreicher dekorativer Wandmalereien. Seit den 20er Jahren widmete er sich der Bildhauerei."

Jakub Obrovský war auch ein begeisterter Sportler. Er dürfte wohl einer von wenigen, wenn nicht sogar der Einzige sein, der sowohl als Sportler wie auch Künstler an Olympischen Spielen teilnahm: als Fechter im Jahr 1924 in Paris und als Künstler 1932 in Los Angeles, wo er eine Bronzemedaille für seine Skulptur "Odysse" bei der Kunstolympiade gewann. Im Jahr 1987 wurde er selbst auf einer Briefmarke geehrt.