Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst

V.
Jaroslav Šetelík (1881-1955)
Abel Mignon (1861-1936)

Národní muzeum
(1929)

Narodni muzeum

Jaroslav Šetelík & Abel Mignon:
NÁRODNÍ MUZEUM

Ausgabetag: 20. Januar 1999, MiNr. 203
Graphische Aufbereitung und Stich: Bedøich Housa
kombinierter Stahlstich- und Rastertiefdruck
Originalmarke: MiNr. 289, 10. Juni 1929


Das Nationalmuseum in Prag war und ist eine der bedeutendsten kulturellen Institutionen der Tschechoslowakei und der heutigen Tschechischen Republik. Der Anstoß zur Gründung des Museums ging auf einen Anregung patriotischer Aristokraten aus dem Jahr 1818 zurück. Die von den Adeligen gestifteten Sammlungen waren zunächst auf verschiedene Orte in Prag verteilt. Im Jahr 1882 stellte die Stadt Prag ein Gelände am "Konský trh" (Pferdemarkt), dem heutigen Wenzelsplatz, zur Verfügung und auch Kaiser Franz Josef stiftete 10.000 Goldstücke für den Bau eines Museums. Im Neo-Renaissance-Stil wurde dann nach Plänen von Josef Schulz zwischen 1885 und 1890 das heutige Gebäude errichtet, das den oberen Teil des Wenzelsplatzes abschließt. Die bedeutendsten Künstler des Landes waren an der Ausschmückung des Gebäudes innen und außen beteiligt.

Die fünfte Ausgabe der Tradice-Serie im Jahr 1999 ist einer der berühmtesten Serien der ersten tschechoslowakischen Republik gewidmet. In tschechischen Sammlerkreisen ist diese Serie unter dem Titel "Hrady, krajiny, mìsta" (Burgen, Gegenden, Städte) ein Begriff. Die ersten beiden Ausgaben dieser Serie erschienen am 16. Oktober 1926. Ein Entwurf stammte von Tavík František Šimon und stellt die Burg Karlštejn dar, die zweite Ausgabe schuf Professor Alois Kalvoda mit einer Ansicht der Burg Pernštejn in Mähren. Wie auch die folgenden Motive der Serie wurden die Marken vom deutschen Stecher Karl Seizinger umgesetzt. In den Jahren 1926 und 1927 folgten die Ausgaben Orava (Entwurf: Šimon) und Kloster Strahov (Entwurf: Kalvoda).

Nach unterschiedlichen Ausgaben dieser vier Motive mit und ohne Wasserzeichen in den folgenden Jahren, erschien am 10. Juni 1929 als fünfte und letzte Ausgabe der Serie eine Ansicht aus Prag. Als Vorlage für den Briefmarkenstich diente ein Aquarell des Malers Jaroslav Šetelík, das einen Blick vom Wenzelsplatz aus auf das tschechische Nationalmuseum zeigte mit dem Denkmal des heiligen Wenzel im Vordergrund (MiNr. 289). Der Grund für das Motiv "Wenzelsdenkmal" lag auch darin, dass man in diese, Jahr den 1000. Todestag des heiligen Wenzel (tschechisch: Václav) feierte. Jaroslav Šetelík wurde am 10. August 1881 in Tábor geboren und starb 1955 in Prag. Er begann zunächst ein Jura-Studium, um dann später an der Kunstakademie in Prag und in München zu studiren. Hauptsächlich war er als Landschaftsmaler tätig. Von ihm stammen vor allem Motive aus verschiedenen Städten der Tschechoslowakei, insbesondere aus Prag.

Die Besonderheit dieser Marke ist, dass es die einzige Ausgabe der Serie ist, die nicht von Karl Seizinger, sondern von einem der berühmtesten französischen Stecher Abel Mignon gestochen wurde. Lange Zeit aber war unbekannt, wer der tatsächliche Stecher dieser Marke war. Die Spezialisten unter den Sammlern stellten zwar fest, dass die Marke einige Besonderheiten in der Gravur gegenüber den anderen Ausgaben der Serie hatte, noch 1958 aber stand in der tschechoslowakischen Fachzeitschrift "Filatelie", dass der Stecher unbekannt sei. Interessanterweise wusste offenbar auch Karl Seizinger nicht, dass Mignon der Stecher war. Noch 1975 berichtete er, dass man fälschlicherweise ihm die Autorenschaft zuschrieb, er aber der Meinung sei, der Autor sei "nìjaký rytec londýnské firmy Waterloo & Sons" (irgendein Stecher der Londoner Firma Waterloo & Sons). Das Verdienst, die Urheberschaft Mignons für diese Briefmarke nachgewiesen zu haben, gebührt Svatopluk Žampach mit seinem 1975 erschienen Artikel "Kdo je autorem rytiny ès. známky 2,50 Kè Muzeum?" (Wer ist der Autor des Stichs der tschechosl. Briefmarke 2,50 Kè Museum?).

Justin Abel Francois Xaviér Mignon wurde am 2. Dezember 1861 in Bordeaux geboren. Er war Mitglied der Vereinigung der französischen Künstler und wurde oft für seine Werke ausgezeichnet. Schon 1908 wurde er Ritter der Ehrenlegion in Frankreich. Für die französische Post schuf Mignon eine Vielzahl von Briefmarken. Eine davon ist hier abgebildet und zeigt den "Mont Saint Michel" in der Bretagne. Anlässlich einer Ausstellung in Paris lernte er im Jahr 1924 offenbar Dr. Nájemník aus dem Postministerium in Prag kennen und erhielt wahrscheinlich über ihn den Auftrag. Mignon gravierte bei dieser Marke aber lediglich das Bild selbst. Rahmen, Landesbezeichnung und Wertangabe fügte ein unbekannter Stecher des Graphikinstituts "Unie" hinzu. Abel Mignon starb am 30. Januar 1936 in Fontainebleau.


Vielen Dank an Bøetislav Janík aus Prag, der mir freundlicherweise den o.a. Artikel von Svatopluk Žampach zur Verfügung stellte.
Das Bild mit der Briefmarke "Mont Saint Michel" stellte mir freundlicherweise Monsieur Bernard Le Lann zur Verfügung.