Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst

IX.
Jan Charles Vondrouš (1884-1970)
Karl Seizinger (1889-1978)

Malá dohoda
(1937)

Malá dohoda

Jan Charles Vondrouš/Karl Seizinger:
MALÁ DOHODA

Ausgabetag: 20. Januar 2003, MiNr. 346
Graphische Aufbereitung und Stich: Bedøich Housa
kombinierter Stahlstich- und Rastertiefdruck
Originalmarke: MiNr. 376, 1. Juli 1937

MiNr. der Briefmarken von Jan Charles Vondrouš:
CSR:
375, 398, 399, 502, 503, 710, 711, 873, 1002, 1004, 1005
Böhmen und Mähren: 28-30, 35-37, 41, 68, 70, 71, 83, 84

Mit der nun bereits neunten Ausgabe der Serie "Tradice èeské známkové tvorby" ehrt die tschechische Post in erster Linie einen der größten Stecher von Briefmarken der Tschechoslowakei, den deutschen Künstler Karl Seizinger, dessen 25. Todestag in diesem Jahr damit gedacht wird. Über ihn finden sich in dieser Galerie eine der ausführlichsten Beiträge (Link zur Startseite siehe unten). Entwerfer der abgebildeten Briefmarke mit einem Blick auf den Prager Hradschin ist der Maler und Graphiker Jan Charles Vondrouš. Er wurde am 24. Januar 1884 in Chotusice geboren und starb am 28. Juni 1970 in Prag. Nach einem Kunststudium in New York war er viele Jahre lang als Zeichner für amerikanische Wochenzeitungen tätig. 1910 kehrte er in seine tschechische Heimat zurück und schuf eine Vielzahl von Radierungen mit Ansichten der Stadt Prag, die auch auf etlichen Briefmarken zu sehen sind.

Die am 1. Juli 1937 in den Wertstufen 2 und 2.50 Kè erschienene Original-Briefmarke (MiNr. 375/376) würdigt einen historischen Bündnisvertrag aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, der in Deutschland unter der Bezeichnung "Kleine Entente" (tschechisch: "Malá dohoda") bekannt ist. Damit bezeichnet man ein bilaterales Bündnissystem, das der damalige tschechische Außenminister und spätere Präsident Eduard Beneš unter dem Schutz Frankreichs in den Jahren 1920/21 mit Jugoslawien und Rumänien abschloss. Ziel dieses Bündnisses war es, eine Revision der durch den Vertrag von Versailles 1919 entstandenen neuen Staatenordnung in Europa zu verhindern. Im Vorfeld des Münchener Abkommens von 1938 zerbrach dann dieses Bündnis.

Historisch interessant ist diese Ausgabe auch als Briefmarke. Sie dürfte vermutlich eine der ersten Gemeinschaftsausgaben von verschiedenen Staaten sein, wie es sie heute häufiger gibt. Denn gleichzeitig wie in der Tschechoslowakei erschienen auch in Jugoslawien und Rumänien Ausgaben zu dem selben Anlass. Die beiden jugoslawischen Marken zu 3 und 4 Dinar zeigen eine Gedächtniskirche auf dem Oplenac bei Belgrad (MiNr. 334/335), die rumänischen Marken zu 7.50 und 10 Lei die Klosterkirche Curtea de Arges, die Grabstätte der rumänischen Hohenzollern-Könige (MiNr. 536/537). Auf den Briefmarken Jugoslawien und Rumäniens ist wie auf der tschechoslowakischen Ausgabe die französische Bezeichnung "Petite Entente" (Kleine Entente) zu lesen. Rumänien hatte bereits zum 16. Jahrestag dieses Bündnisses am 5. Dezember 1936 zwei Briefmarken verausgabt, die den rumänischen König Karl II. (1893-1953) zeigen und mit einem senkrechten roten Aufdruck "Cehoslovacia/Yugoslavia/1920-1936" versehen sind (MiNr. 522/523).



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