Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst





JAROSLAV GOLDSCHMIED
tschechischer Graphiker und Briefmarkenstecher
geboren am 14. August 1890 in Prag, gestorben am 3. November 1977 in Prag

entworfen und gestochen von Bedøich Housa
Ausgabetag:
18. Dezember 1982, MiNr. 2697


Bis zu seinem Tod war der in Prag geborene Graphiker Jaroslav Goldschmied der hochgeehrte Nestor der tschechoslowakischen Briefmarkenstecher. Das Stecherhandwerk erlernte er im Betrieb seines Vaters. Von 1923 an war er Mitarbeiter im renommierten Prager Graphikinstitut "Unie". Hier begann auch seine Karriere als Stecher von Briefmarken. Jemand hat einmal über ihn geschrieben, er sei der erste echte Praktiker unter den tschechischen Stechern gewesen. Anfang der 20er Jahren war er neben Eduard Karel und Karl Wolf der wichtigste und einflussreichste Stecher. Mit dem Erscheinen von Karl Seizinger auf der tschechischen Stecherszene, der praktisch ein Monopol für den Briefmarkenstich bekam, wurde er aber in den Hintergrund gedrängt und quasi abgeschoben. Er unterstützte lediglich Karl Seizinger (und später Bohumil Heinz) bei seiner Arbeit. Erst nach dem Krieg kam er wieder verstärkt zu eigenständigen Briefmarkenstichen. Mit diesen steht er praktisch für alle Phasen der tschechoslowakischen Stecherkunst. Von Mitte der 20er bis in die 70er Jahre hinein prägte er das Bild der tschechoslowakischen Briefmarken durch seine Fachautorität und beeinflusste mehr oder weniger alle nach ihm kommenden Stecher maßgeblich. Sein Name bleibt untrennbar verbunden mit den vielen Veränderungsversuchen an der Masaryk-Briefmarke. Neben dieser Marke ist deutschen Sammlern von Goldschmied vor allem die "Lindenblatt"-Marke des Protektorats Böhmen und Mähren bekannt.

T. G. Masaryk

TOMÁŠ GARRIGUE MASARYK
letzte Version von Švabinskýs Masaryk-Porträt
gestochen von Jaroslav Goldschmied
erschienen am 20. Juli 1926, MiNr. 244

Varianten
Varianten

Beispiele der Variationen bei der Gravur der Masaryk-Marke

oben:
karierte bzw. schraffierte Gestaltung der Schulter
und Variation der Darstellung des Barts


unten:
Variationen der Gestaltung des Ziffernfeldes
und der Wert-Ziffer und -Bezeichnung
Nachdem man im Jahr 1926 die ursprüngliche von Karl Wolf gestochene Masaryk-Marke in einer Adaption für eine Dauermarkenserie übernommen hatte, wurde die Druckplatte des Original-Stichs durch Jaroslav Goldschmied mehrfach verändert bzw. nachgraviert. Die Ausgabe wurde damit so oft geändert wie keine andere tschechoslowakische Briefmarke - ein beinahe unerschöpfliches Feld für Forschung und für alle Spezialisten unter den Sammlern.

Warum so viele Veränderungen vorgenommen wurden, ist bis heute nicht eindeutig zu sagen. Weil es sich um die erste echte Briefmarke im Stahlstichdruck handelte, wurde möglicherweise mit diesen Veränderungen experimentiert. Ein weiterer denkbarer Grund ist, dass der Rotationsdruck auf der neu angeschafften amerikanischen Stickney-Druckmaschine nicht sofort alle Erwartungen erfüllte. Es könnte aber auch gewesen sein, dass Švabinský, der Entwerfer der Briefmarke, - nach dem unbefriedigenden Ergebnis seines ersten Versuchs von 1920 - sehr kritisch an die Ausführung dieser neuen Marke heranging und sich mit der stecherischen Umsetzung erst nach und nach zufrieden zeigte.

In den einschlägigen Briefmarkenkatalogen werden im allgemeinen 6, in einigen Katalogen sogar 7 Typen des Masaryk-Porträts beschrieben. Die hier gezeigten Beispiele sind nicht vollständig. So wurde beispielsweise auch das Blätterornament rechts und links des Porträts mehrfach anders dargestellt. Die Masaryk-Marke ist somit ein schönes Beispiel, an dem alle möglichen Gravur-Mittel demonstriert werden können: dicke und dünne Linien, Punkte, Schraffierungen, Karos usw. und neben den vielen Gestaltungs- und Druckvarianten auch mehrere Ausgaben mit Wasserzeichen-Variationen und unterschiedlichen Formatgrößen des Porträts.

Nach vielen Anläufen, der ursprünglichen Marke von Švabinský und Wolf aus dem Jahr 1923 eine passende und von allen akzeptierte Form zu geben, beendete man schließlich 1926/27 die Versuche. Die oben abgebildete Ausgabe ist die letzte Variante des Švabinský-Entwurfs auf einer Briefmarke. Mit allen verschiedenen Varianten wurde die Masaryk-Briefmarke insgesamt in mehr als 2,5 Milliarden Exemplaren gedruckt. Sie dürfte damit wohl auch die am weitesten verbreitete Briefmarke der Tschechoslowakei sein.

MiNr. der Briefmarkenstiche von Jaroslav Goldschmied
Tschechoslowakei:
224-244, 424-432, 476-479, 492, 496, 498-500, Block 10, 659, 733, 747, 751, 767, 789, Block 14, 800, 802, 818, 827, 856, 869, 873, 879, 882, 895, 902, 912, 914, 931, 959, 986, 991, 992, 1002, 1005, 1062, 1078, 1121, 1123, 1157, 1211, 1224, 1241, 1250, 1283, 1284, 1292, 1310, 1331, 1351, 1368, 1385, 1395, 1400, 1413, 1548, 1636, 1759, 1760, 1773, 1779, 1851-1853, 1916-1919, 1989, 2020, 2049, 2081, 2083, 2124, 2334, 2358
Böhmen und Mähren: 20-24, 38, 56-59, 64-67, 73, 74, 85-88, 95-110, 138, 139, 142