Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst

Reitkunst

Reitschule
kolorierter Kupferstich 457 x 365 mm aus dem Jahr 1734
Titelblatt des Buches "Neue Reitschule"

Briefmarkenausgabe der Tschechoslowakei MiNr. 1874
Ausgabetag: 24. April 1969
graphisch aufbereitet und gestochen von Bedøich Housa
kombinierter Stahlstich- und Rastertiefdruck

JOHANN ELIAS RIDINGER
(1698-1767)

Der um 1698 in Ulm geborene und 1767 in Augsburg gestorbene schwäbische Kupferstecher Ridinger beschäftigte sich in seinem Werk vor allem mit Jagd- und Reitszenen und erreichte schon zu seinen Lebzeiten vor allem in den Kreisen des Adels hohes Ansehen. Seine Ausbildung erhielt er in Augsburg hauptsächlich bei dem Tier- und Pflanzenmaler Johann Falck. Er selbst schuf vor allem Radierungen und Stiche, von denen es ungefähr 1600 gibt. Im Jahr 1759 wurde er Leiter der Staatlichen Kunstakademie in Augsburg.

Bis heute sind seine Blätter anspuchsvolle Dokumente für das damalige Verständnis des Wilds, der Tiere, der Jagd und der Reitkunst. Mit Reitthemen - wie auf dem Beispiel der Briefmarke gezeigt - beschäftigte sich Ridinger vor allem während eines Aufenthalts in Regensburg zwischen 1714 und 1718 bei einem brandenburgischen Gesandten. Dies bot ihm die Gelegenheit, sich mit dem Lebensstil und den Interessen des Adels bekannt zu machen, was später dann in seinen Werken ihren Niederschlag fand. Wurde er lange Zeit als "vernachlässigbarer Tier- und Jagdschilderer" abgetan, so gesteht man ihm heute durchaus eine technische Vorreiterrolle hinichtlich der Entwicklung des Farbstichs zu.

Das hier gezeigte Beispiel ist das Titelblatt einer im Jahr 1734 in Augsburg erschienen Reitschule. Die Berücksichtigung dieses Ridinger-Stichs auf einer tschechoslowakischen Briefmarke, löste in Deutschland bei Ridinger-Kennern freudiges Erstaunen hervor, "dass schon 1969 die kommunistische Tschechoslowakei ausgerechnet Ridinger als einen der Liebedienerei gegenüber dem so verhassten blaublütigen Klassenfeind so höchst verdächtigen Künstler nicht nur innerhalb einer Briefmarkenserie seine Reverenz erwies, nein, ihm vielmehr deren höchsten Wert vorbehielt und den einzigen in Farbe noch dazu! Und dies immerhin in Gesellschaft von Goltzius, Merian, Dürer und - dem Landsmann Hollar!"

Um mehr zu J.E. Ridinger zu erfahren,
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Erlebnis Ridinger 1698-1998,
von der im Übrigen auch das obige Zitat stammt.