Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst



Einleitung



JINDØICH ("JINDRA") SCHMIDT
tschechischer Graphiker und Briefmarkenstecher
geboren am 24. Juni 1897 in Raèice, gestorben am 12. März 1984 in Prag

entworfen und gestochen von Bedøich Housa
Ausgabetag:
18. Dezember 1992, MiNr. 3137


Mit ihrer letzten Briefmarke ehrte die Ende 1992 auseinander gefallene Tschechoslowakei einen weiteren ihrer großen Briefmarkenstecher - Jindra Schmidt. Die oben dargestellte und von Bedøich Housa gestaltete und gestochene Briefmarke entstand nach einem von Jindra Schmidt gestochenen Selbstporträt, das auf der Seite "Höhepunkt" zu sehen ist. Er prägte nicht nur das Aussehen tschechoslowakischer Briefmarken über viele Jahrzehnte hinweg, sondern war im Prager Kulturleben ein echter Star, ein Idol und schon zu seinen Lebzeiten eine Legende, was ihn als relativ bescheidenen Menschen gegen Ende seine Lebens stark belastete.

Obwohl er am 24. Juni 1897 außerhalb von Prag, in Raèice bei Jaromìø geboren wurde, ist Jindra Schmidt trotzdem ein waschechter Prager, denn zur Zeit seiner Geburt war seine Familie gerade zu einem Ferienaufenthalt in ihrem dortigen Wochenendhaus. Und im Unterschied zu seinem großen Stecherkollegen Karl Seizinger, der von den politischen Verhältnissen zu immer wieder neue Stationen in seinem Künstlerleben getrieben wurde, wohnte Jindra Schmidt immer in einem kleinen Appartment seiner Heimatstadt Prag.

Hineingeboren in die österreich-ungarische KuK-Monarchie, prägte ihn diese später untergegangene Zeit mit ihren wert-konservativen Grundhaltungen ein ganzes Leben lang. Mit einem typisch deutschen Namen ausgestattet, war es für ihn keine Frage, ob er Tscheche oder Deutscher war. Er war und blieb ein "Pražan" - ein Prager - sein ganzes Leben lang. Das folgende Zitat, das mir einer seiner späteren Schüler, der in den USA lebt, über ihn schrieb, sagt sehr viel über seine Grundeinstellungen:

"He grew up under Austro-Hungary and his own training is very much reflective of his hierarchical system of strict stations in life and attention of craftsmanship. ... He was an oldtime Praguer used to his small appartment which he'd been in since the monarchy ..."

(Er wuchs in Österreich-Ungarn auf und seine eigene Ausbildung spiegelt sehr stark dieses hierarchische System fester Stationen im Leben und eine Ausrichtung auf das Handwerk wider. ... Er war ein Prager der alten Zeit, der gewohnt war an sein kleines Appartment, in dem er seit der Monarchie wohnte.)

Und es störte ihn offenbar auch nicht, unter welchen politischen Verhältnissen er seine Kunst ausüben konnte, wenn es nur in seinem Prag war. Er arbeitete problemos für die politischen Systeme, in denen er lebte, angefangen vom österreichischen Kaiserreich über die erste tschechoslowakische Republik und die deutsche Besatzung im Protektorat bis hin zum kommunistischen Regime der Nachkriegszeit. Auf den folgenden Seiten sollen diese Lebensstationen etwas näher beschrieben werden und im Vergleich zur Lebensbeschreibung Karl Seizingers zeigen, wie völlig anders ein Künstlerleben in den Wirren des 20. Jahrhunderts verlaufen kann.

Titelseite * Einleitung * Anfänge * Protektorat * Routine * Höhepunkt * Umìní * Stich * Briefmarken