Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst



ROUTINE

 

Linienzeichnungen Jindra Schmidts für zwei Dauermarken mit den Porträts der Präsidenten

Antonín Zápotocký (1884-1957)

und
Ludvík Svoboda (1895-1979)

ausgegeben als Briefmarken in den Jahren
1954 zum 70. Geburtstag Zápotockýs, erschienen in einer Variante ohne Datum, Jahreszahlen und Initialen sowie mit anderer Beschriftung
(MiNr. 887/888)
und 1970 als Motiv einer Dauermarkenserie mit Präsident Svoboda
(MiNr. 1920/1921)
Erst nach dem Ende des zweiten Weltkriegs begann Jindra Schmidts Karriere als Briefmarkenstecher in der Tschechoslowakei und auch das zunächst eher zufällig. Als in der Übergangszeit zu geordneten staatlichen Verhältnissen bei der Briefmarkengestaltung verschiedenste Entwerfer und Stecher zum Zug kamen, war auch Jindra Schmidt darunter, als man ihn für eine in London gedruckte Dauermarkenserie die Porträts der beiden ersten tschechoslowakischen Präsidenten Masaryk und Beneš, sowie des slowakischen Politikers Štefanik entwerfen und stechen ließ (MiNr. 460-475). Dieser Satz waren die ersten Briefmarken Jindra Schmidts, die von der Tschechoslowakei ausgegeben wurden. Es folgten weitere Briefmarken, die Schmidt teilweise bereits vor dem Krieg geschaffen hatte und die man jetzt ohne große Veränderungen einsetzen konnte. Zu ihnen gehörten u.a. die auf einem Bild von Josef Mánes basierende Ausgabe mit dem Heiligen Georg (MiNr. 490/491), deren Entwurf aus der Zeit des Protektorats stammt und zunächst für eine Banknote vorgesehen war, sowie ein Porträt des Schriftstellers Karel Havlíèek Borovský (MiNr. 501).

Diesen ersten Briefmarken folgten von nun an in relativ kurzen Zeitabständen mehr als 400 Ausgaben, für die Schmidt verantwortlich zeichnete, unter ihnen beispielsweise Porträts aller tschechoslowakischen Präsidenten (mit Ausnahme Gustav Husáks), die während seines Lebens regierten. Eine komplette Auflistung aller Nummern der Briefmarken von Jindra Schmidt ist unten zu finden. Es würde entschieden zu weit führen, wenn man versuchen würde, auch nur auf einen kleinen Teil aller dieser Ausgaben einzugehen. Viele Beispiele aus diesem riesigen Werk können aber auf den verschiedensten Seiten dieser Galerie betrachtet werden, natürlich vor allem auf den Seiten zu Max Švabinský. Trotz dieser fließbandartigen Produktion immer neuer Briefmarkenstiche blieb aufgrund der hohen handwerklichen Routine des Meisters stets ein hohes Qualitätsniveau gewahrt.

Da die tschechoslowakische Staatsdruckerei häufig auch Aufträge für andere Länder ausführte, findet man auch eine ganze Reihe von Briefmarken, die unter Jindra Schmidts Verantwortung für anderen Postverwaltungen erstellet und in Prag gedruckt wurden. So wurden in der Staatsdruckerei in Prag Briefmarkenausgaben für Äthiopien (eine Linienzeichnung Schmidts siehe rechts), Irak, Albanien, Bulgarien, Libyen, Vietnam, die Vereinten Nationen und Kuwait, sowie Banknoten für Polen und Rumänien gedruckt. Soweit ich feststellen konnte, von welchen Stechern die jeweiligen Marken sind, finden Sie die MiNr. bei den entsprechenden Stecher-Beiträgen. Die übrigen sind hier aufgeführt, ohne jedoch sicher zu sein, ob tatsächlich alle diese Briefmarken von Jindra Schmidt sind.

Jindra Schmidt war bis zum Jahr 1967 Angestellter der Staatsdruckerei. Als er mit 70 Jahren in den Ruhestand ging, übergab er seinen Arbeitsplatz an den Stecher Miloš Ondráèek, der bis heute die Tradition von Jindra Schmidt fortführt. Während seiner Tätigkeit in der Staatsdruckerei war die Ausbildung des Nachwuchs immer eines seiner zentralen Anliegen. Bereits im Jahr 1948 hatte Schmidt zwei Mitarbeiter in seiner Abteilung bekommen, die unter seiner Führung ebenfalls über viele Jahre tschechoslowakische Briefmarken stachen - Ladislav Jirka und Jan Mráèek. Auf diese Weise wurde und wird heute noch die von Jindra Schmidt stark geprägte tschechische Stechertradition weiter fortgeführt. Er selber stach noch weitere 20 Jahre als freier Mitarbeiter Briefmarken. Seine letzte stammt aus dem Jahr 1982 und ist ein Motiv aus einem Satz zur Fußball-Weltmeisterschaft in Spanien (MiNr. 2649). Gerade in dieser Zeit seines Ruhestands wurde er immer mehr zur Kultfigur. Mit seiner Arbeit für die Staatsdruckerei schuf er sich einen gewissen Wohlstand, den er als lebenslanger Junggeselle auch genoss. Vereinzelt bildete er als Privatlehrer junge Künstler im Stecherhandwerk aus. Einer dieser hier mehrfach zitierten Schüler schrieb mir über diese Jahre Jindra Schmidts folgendes, das auch eine gute abschließende Würdigung des Künstlers abgibt:

"He was by Czech standards of the day very well paid and kept a summer home and car, which his relatives maintained and chauffeured. I think he was quite humble and lived as though there had not been several republics trading places with the Nazi protectorate and communists and the monarchy at the helm of power. ... he never really perceived that his position had (by not deteriorating), gone from middle class ordinary to privileged and he was the breadwinner for an extended family towards the end."

(Für tschechische Verhältnisse der damaligen Zeit war er sehr gut bezahlt und hatte ein Sommerhaus und ein Auto, das seine Verwandten unterhielten und chauffierten. Ich denke, er war sehr bescheiden und lebte als ob es nie verschiedene Republiken gegeben hätte, die sich im Platz am Steuerruder mit dem Nazi-Protektorat, den Kommunisten und der Monarchie abgewechselt hätten. ... er nahm tatsächlich nie wahr, dass sich seine Position (ohne es abzuwerten) von der normalen Mittelklasse zu einer privilegierten entwickelt hatte und er war der Brotgeber für eine ausgedehnte Familie bis zum Ende.)

Jindra Schmidt starb im hohen Alter von 87 Jahren und hoch angesehen am 12. März 1984 in Prag.


Titelseite * Einleitung * Anfänge * Protektorat * Routine * Höhepunkt * Umìní * Stich * Briefmarken