Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst



HÖHEPUNKT

M. ŠVABINSKÝ PINX. - JINDRA S. SC.
Signatur der Schmetterlings-Briefmarken, die aus der Zusammenarbeit
von Max Švabinský und Jindra Schmidt entstanden. Normalerweise signierte Švabinský mit "del." (delineavit = er hat die Linien gezeichnet). Da bei den Schmetterlingsmarken gemalte Entwürfe zugrunde lagen, verwendete er hier "pinx." (pinxit = er hat gemalt).

links abgebildet ein Selbstporträt Jindra Schmidts, das Vorlage für die Schmidt-Briefmarke von 1992 war

rechts abgebildet ein jüngeres Porträt von Max Švabinský, gestochen von Jindra Schmidt



SVÌTU MÍR
(Weltfriede)

von Max Švabinský
gestochen von Jindra Schmidt

Briefmarkenausgabe der Tschechoslowakei
MiNr. 1125
Ausgabetag: 23. März 1959




NYMPHALIS IO
Baboèka paví oko
(Tagpfauenauge)

von Max Švabinský
gestochen von Jindra Schmidt

Briefmarkenausgabe der Tschechoslowakei
MiNr. 1305
Ausgabetag: 27. November 1961
Wenn man über Jindra Schmidt schreibt, kann es nicht ausbleiben, dass man im gleichen Atemzug den großen tschechischen Künstler Max Švabinský nennen muss, dessen Briefmarkenschaffen untrennbar mit dem kongenialen Partner und Umsetzer seiner künstlerischen Ideen Jindra Schmidt verbunden ist. Fast alle mehr als 70 von Max Švabinský entworfenen Briefmarken sind von Schmidt gestochen. Die komplette Liste mit allen Švabinský-Briefmarken ist über den link zu erreichen.

Mit Schmidt und Švabinský trafen zwei Künstler aufeinander, die größten Wert auf handwerkliche Fertigkeiten legten, was die Grundvoraussetzung für die äußerst fruchtbare Zusammenarbeit bildete. Ein späterer Schüler Jindra Schmidts charakterisiert ihn als "a well-trained and disciplined craftsman" (ein gut ausgebildeter und disziplinierter Handwerker) und in einer kleinen Arbeit über Schmidts Zusammenarbeit mit Švabinský findet sich folgendes Zitat:

"Hledáme-li dùvod, proè Švabinský od té doby pracoval na známkách výluènì s Jindrou Schmidtem, domnívám se, že nepochybíme, když si v této souvislosti uvìdomíme, jak Švabinský rád uznával každou dobrou práce. ... Švabinský totiž mìl pochopení i pro potíže, s nimiž se setkává ta èást realizace umìleckého díla, jež nìkdy ponìkud podcenivì bývá oznaèována jako její 'øemeslna složka'."

(Wenn wir nach dem Grund suchen, warum Švabinský seit dieser Zeit bei Briefmarken ausschließlich mit Jindra Schmidt arbeitete, nehme ich an, dass wir nicht falsch liegen, wenn wir uns in diesem Zusammenhang bewusst werden, wie gern Švabinský jede gute Arbeit schätzte. ... Švabinský hatte nämlich ein Verständnis auch für die Schwierigkeiten, mit denen dieser Teil der Realisation eines Kunstwerks verbunden ist, den man gewissermaßen als seinen "handwerklicher Bestandteil" kennzeichnen kann.)

Die Zusammenarbeit war ein ideales Zusammenspiel zwischen Ideengeber und dem Handwerker, der die Ideen optimal umsetzte. Das benötigte natürlich viel Zeit und die hatte Švabinský für Schmidt immer. Oft saßen sie studenlang zusammen und diskutierten über jede einzelne Linie oder jeden Punkt des von Schmidt erstellten Stichs. "Každá linka musela opravdu sedìt" (Jede kleine Linie musste tatsächlich sitzen),wie in Schmidts Biographie die peniblen Forderungen Švabinskýs beschrieben werden. Instinktiv hielten sie sich bei ihrer gemeinsamen Arbeit an unausgesprochene Grundsätze.

Und obwohl sie bereits vor dem Krieg insbesondere bei Banknoten zusammengearbeitet hatten, wurde erst lange nach dem Krieg am 7. März 1948 ihre erste gemeinsame Briefmarke herausgegeben, zum 11. Kongress der Turner-Organisation SOKOL mit einer schönen allegorischen Darstellung der Republik (MiNr. 532-534). Zuvor war im Jahr 1946 von beiden lediglich eine kleine Dauermarkenserie zu vier Wertstufen mit dem Porträt des Präsidenten Beneš erschienen (MiNr. 508-511). Besonders gern arbeiteten beide bei den vielen Briefmarken mit Porträts bekannter tschechischer und slowakischer Persönlichkeiten zusammen. Neben diesen Porträts waren die ersten Höhepunkte stecherische Umsetzung von Švabinskýs Werken, z.B. "Básník a Musa" zum 85. Geburtstag Švabinskýs im Jahr 1958 (MiNr. 1092) oder der aus drei Motiven bestehende kleine Satz mit allegorischen Darstellungen der Menschenrechte ein Jahr später (MiNr. 1124-1126), aus dem das links abgebildete Motiv "Mír" (Friede) stammt.

Alle diese Briefmarken wurden bis Ende der 60er Jahre einfarbig gedruckt, so dass die graphische und stecherische Umsetzung aus sich selbst heraus lebte. Völlig neue Anforderungen ergaben sich, als man Anfang der 60er Jahre auch technisch die Möglichkeiten hatte, Briefmarken in Mehrfachdruck herzustellen. Und wer war aufgrund der großen Erfahrungen besser geeignet, die ersten Versuche in diese Richtung durchzuführen, als Švabinský und Schmidt. Und es ist sicherlich ihr großes Verdienst, dass bereits die ersten Versuche im Mehrfachdruck bei tschechoslowakischen Briefmarken so exzellent gelungen sind.

Dieser erste Versuch war ein Satz mit neun Schmetterlingsmotiven, der in drei Teilen ab Ende 1961 erschienen ist (MiNr. 1301-1309). In hohem Alter und bereits krank wurde Max Švabinský noch einmal vor eine völlig neue Herausforderung gestellt, für die er bisher keinerlei Erfahrung hatte - und natürlich stand er zunächst diesem Vorhaben äußerst skeptisch gegenüber. Nur die Aussicht, das Projekt in bewährter Zusammenarbeit mit Jindra Schmidt auszuführen, brachte ihn dazu, sich mit der Angelegenheit zu beschäftigen. "Aby ho pøesvedèil, vyryl Jindra Schmidt jako ukázku známku s motýlem jasonìm èervenookým a když ji Švabinskému pøinesl, byl autor návrhu velmi spokojen"
(Um ihn zu überzeugen, stach Schmidt als Muster eine Briefmarke mit dem Schmetterling "Apollofalter" und als er sie Švabinský vorlegte, war der Autor des Entwurfs zufrieden), so wird in der Biographie Jindra Schmidts der Vorgang beschrieben. Es bleibt also das unbestreitbare Verdienst Schmidts, Max Švabinský an die Arbeit zu diesen Motiven herangeführt zu haben, was letzlich auch den großen Erfolg dieser Serie erst ermöglichte.

Jedes Motiv zeigt eine Schmetterling mit einer Pflanze/Blume über einer Landschaft schwebend. Eine der neun Marken ist links zu sehen. Für den Druck genügte jetzt nicht mehr nur eine Druckplatte, sondern es wurde für die Schmetterlingsserie fünf Platten benötigt. Auf der ersten Platte waren die Konturen der Zeichnung gestochen, mit der zweiten Platte wurde jeweils die Farbe gelb gedruckt und auf den drei weiteren jeweils eine weitere andere Farbe. Die Ausgabe wurde ein riesiger Erfolg und ist letztlich auch der Anstoß für weitere mehrfarbige Meisterwerke auf tschechoslowakischen Briefmarken, die wenige Jahre später in den künstlerisch exzellent gestalteten jährlichen Ausgaben der Reihen "umìní" und "Pražský hrad" gipfelten.

Auch nach Švabinskýs Tod im Jahr 1962 blieb Jindra Schmidt dem Meister eng verbunden. Er stach u.a. die Serie mit fünf Švabinský-Bildern zum 100. Geburtstag des Künstlers im Jahr 1973. Drei Beispiele daraus sowie das 1972 gestochene Švabinský-Bild "Kytice" können auf den Švabinský-Seiten dieser Galerie betrachtet werden. Darüber hinaus stach er privat verschiedenste Graphiken nach Vorlagen seines Partners. Eine dieser Graphiken ist auf der Titelseite dieser Abteilung zusehen.

Titelseite * Einleitung * Anfänge * Protektorat * Routine * Höhepunkt * Umìní * Stich * Briefmarken