Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst




BIOGRAPHIE


1889 : Nach dem sog. "Drei-Kaiser-Jahr" 1888 beginnt in Deutschland mit dem ersten Regierungsjahr Kaiser Wilhelms II. die Zeit des deutschen Imperialismus. Das kleine Residenzstädtchen Hildburghausen ist Teil des Herzogtums Sachsen-Meiningen und hat bereits weitestgehend seine einstige Weltbedeutung im Druck- und Verlagswesen eingebüßt. Genau vier Wochen, nachdem hier Karl Seizinger geboren wurde, wird ca. 500 km südlich im österreichischen Braunau jemand geboren, der Seizingers Lebensweg öfters kreuzte und auch maßgeblich beeinflussen wird, obwohl sich beide persönlich nie kennenlernten - Adolf Hitler. Auch der spätere kroatische Präsident Ante Pavelic, in dessen Staat Seizinger mehrere Jahre lebte, wird in diesem Jahr geboren.
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Seizinger

KARL FRIEDRICH WILHELM ("KAREL") SEIZINGER
Briefmarkenstecher
geboren am 23. März 1889 in Hildburghausen/Thüringen
gestorben am 4. Mai 1978 in Haarlem/Niederlande


entworfen von Cyril Bouda, gestochen von Miloš Ondráèek
Ausgabetag:
18. Dezember 1983, MiNr. 2747, zum Gedenken an Seizingers 5. Todestag
Vorlage für das Seizinger-Porträt war ein Photo,
das anlässlich seines Besuchs auf der Briefmarkenausstellung in Brünn 1974
von dem damals bereits 85jährigen gemacht wurde.

Karl Friedrich Wilhelm Seizinger wurde am 23. März 1889 in der südthüringischen Kleinstadt Hildburghausen geboren, die im 19. Jahrhundert als Sitz des "Bibliographischen Instituts" eine Weltbedeutung im Buchdruck hatte. Über diese alte Tradition seiner Geburtsstadt kam Seizinger auch bald mit dem Stecherhandwerk in Berührung, erlernte dort dieses Handwerk im Graphikinstitut Metzeroth und machte sich von dort auch auf, die Welt kennen zu lernen.

Zunächst ging er nach Berlin, um dort im Karthographischen Institut zu arbeiten. In der Stadt lernte er auch seine Frau Elisabeth kennen. Das weitere Kennenlernen der Welt war dann aber mehr gezwungenermaßen. Beim Ausbruch des ersten Weltkriegs wurde er Soldat, diente zunächst in Frankreich an der Westfront und kam danach als Pilot und Mitglied der "Kaiserlich Osmanischen Fliegertruppe" ans Schwarze Meer und bei den Kämpfen zur Unterstützung des Türkischen Reiches durch das Deutsche Reich bis nach Bagdad. Gegen Ende des Kriegs lernte er den schwedischen Asienforscher Sven Hedin (1865-1952) kennen, mit dem zusammen er - nach eigenen Angaben - Bildmaterial für dessen Buch "Bagdad-Babylon-Ninive" bearbeitete. Nach dem 1. Weltkrieg zurück in Deutschland fand er keine Beschäftigung, denn die bekannten und staatlichen Druckereien arbeiteten im wesentlichen mit der Technik des Buchdrucks. Ein Beschäftigung als Stecher von Banknoten fand er schließlich ab 1921 bei der Wertpapierdruckerei der finnischen Nationalbank in Helsingfors.

Im Jahr 1924 folgte er einem Angebot der tschechoslowakischen Staatsbank und siedelte nach Prag um. Dort arbeitete er zunächst ebenfalls als Stecher für die Banknoten. Neben seiner Tätigkeit studierte er in Prag an der Kunsthochschule auch 3 Jahre lang bei Max Švabinský. Als Briefmarkenstecher war er erstmals im Jahr 1926 für die Ausgaben der Serie "Hrady, krajiny, mìsta" verantwortlich. Diese Serie wurde sofort ein Klassiker unter den Briefmarken der Tschechoslowakei und begründete den bis heute bestehenden guten Ruf der tschechoslowakischen Briefmarkenkunst. In Fachzeitschriften wurde Seizinger begeistert als "neuer Stern am Himmel der Markenstecherkunst" gefeiert. Bis 1934 gravierte er sämtliche Ausgaben des Landes. Nachdem es Anfang der 30er Jahre immer mehr Auseinandersetzungen mit der Staatsdruckerei über die Qualität seiner Stiche gab, arbeitete er nur noch als freier Mitarbeiter weiter. So erklärt sich auch, dass die tschechoslowakischen Briefmarken ab 1934 abwechselnd von Seizinger und Bohumil Heinz stammen, der - nachdem er bereits als Student für die Staatsdruckerei gearbeitet hatte - jetzt kontinuierlich Aufträge erhielt. Im Jahr 1938 erschien der Block zur 1. Briefmarkenausstellung PRAGA als letzte der von ihm stammenden tschechoslowakischen Ausgaben. Im selben Jahr - noch vor der deutschen Besetzung - verließ er aus den verschiedensten Gründen freiwillig die Tschechoslowakei und ging zunächst nach Belgrad. Die Postverwaltung der deutschen Besatzung im tschechischen Teil der früheren Tschechoslowakei aber übernahm eine Reihe seiner meisterhaften Stiche als Briefmarken für die Post des Protektorats "Böhmen und Mähren", wobei diese mit neuer Rahmengestaltung, neuer Landesbezeichnung und unter Weglassung der Entwerfer- und Stecherzeichen herausgegeben wurden. Die nach dem Krieg wieder gegründete Tschechoslowakei besuchte er nur noch einmal in seinem Leben, als er im Jahr 1974 Gast auf der Briefmarkenausstellung in Brünn war.

In Belgrad begann Seizinger bald für die jugoslawische Post zu arbeiten. Sein erster Briefmarkensatz erschien kurz nach Beginn des 2. Weltkriegs am 6. September 1939. Ein weiteres Satz mit Motiven aus dem Landesteil Kroatien folgte am 16. März 1941. Kurz danach besetzten deutsche Truppen Jugoslawien, und Kroatien erklärte am 10. April 1941 seine Unabhängigkeit. Möglicherweise aus Angst vor seinen eigenen Landsleuten begab sich Seizinger nach Zagreb in das nun unabhängige Kroatien und gravierte dort während des Kriegs mehrere interessante Briefmarkenausgaben. Auch hier erlangte der erste Satz mit der Bezeichnung "Zrinski i Frankopan" - erschienen am 7. März 1943 - besondere Bedeutung. Der Höhepunkt seines Schaffens für Kroatien bildete im September 1943 die Ausgabe zur 3. Philatelistischen Ausstellung in Zagreb mit der Darstellung der alten Marienkirche und des Zisterzienserklosters ins Zagreb nach einem Gemälde von Vladimir Kirin (Abbildung auf der Titel-Seite dieser Seizinger-Abteilung). Aus dieser Zeit stammen von ihm auch unveröffentlichte Marken für die Postverwaltung des Generalgouvernements (deutsche Postverwaltung in Polen).

Nach der Wiedergründung des jugoslawischen Staates musste er als Deutscher das Land verlassen und verlor dabei sein gesamtes Vermögen. Nachdem er in seiner Heimat Hildburghausen, das jetzt in der sowjetischen Zone lag, keine Arbeit finden konnte und ihm auch die politischen Verhältnisse dort unsicher erschienen, bewarb er sich 1947 bei der weltbekannten Banknoten- und Briefmarkendruckerei "Joh. Enschedé en Zonen" in Haarlem in den Niederlanden. Von 1948 an arbeitete er dort bis kurz nach seinem 72. Geburtstag im Jahr 1961 und stach im Auftrag dieser Firma Banknoten und Briefmarken u.a. für die Niederländischen Antillen, für Portugal, Curacao, Syrien, Indonesien, Neu Guinea sowie für die UN-Postverwaltung in New York. Er starb im hohen Alter von 89 Jahren am 4. Mai 1978 in Haarlem.

Als eher unpolitischer Mensch, der nur für seine Kunst lebte und über diese Kunst möglichst viel von der Welt kennenlernen wollte, kam er doch immer wieder ungewollt mit den turbulenten politischen Ereignissen im Europa des 20. Jahrhunderts in Berührung. Daher sollen - nach diesem ersten Überblick über Seizingers Leben - auf den folgenden Seiten die wichtigsten Stationen seines beruflichen Lebens noch etwas näher beleuchtet werden. Machen Sie also mit mir eine kleine Reise durch Europa über Deutschland, Finnland, die Tschechoslowakei, Jugoslawien/Kroatien bis in die Niederlande.

Titelseite * Einleitung * Biographie * Persönlichkeit * Hildburghausen * Helsingfors *
Praha I * Praha II * Praha III * Praha IV * Praha V * Praha VI *
Belgrad * Zagreb I * Zagreb II * Generalgouvernement * Haarlem * BRNO '74 * Arbeitsweise * Lebenswerk *
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