Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst




HILDBURGHAUSEN


1914: Der erste Weltkrieg beginnt. Wie Karl Seizinger dient auch der praktisch gleichaltrige Adolf Hitler an der Westfront in Frankreich und beschließt dort - wie er in "Mein Kampf" schreibt - Politiker zu werden.
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Dass ich Kupferstecher geworden bin, verdanke ich dem Umstand, in der Südthüringer Kupferstecherstadt Hildburghausen geboren worden zu sein.



Kde domov mùj ? (Wo ist meine Heimat?)
Linienzeichnung und Briefmarke einer der schönsten Seizinger-Stiche
zum 100. Jahrestag der tschechischen Nationalhymne im Jahr 1934
nach einem Bild von Josef Mánes
Linienzeichnung ausgestellt im Stadtmuseum Hildburghausen
Ausgabetag der Briefmarke: 17. Dezember 1934 (MiNr. 331)
Ausgabetag des Gedenkblocks: 21. Dezember 1934 (MiNr. 331x)

Kde domov muj Kde domov muj


Obwohl es ihn nie lange in seiner Heimat hielt und es ihn immer wieder ins Ausland zog, hatte Karl Seizinger Zeit seines Lebens trotzdem stets eine enge Beziehung zu seiner Geburtsstadt Hildburghausen, wie das obige Zitat schön verdeutlicht. Immer wieder zog es ihn (wenn auch manchmal gezwungenermaßen) dorthin zurück, wo seine große Stecherkarriere begann.

Geboren als Sohn des Photographen Heinrich Seizinger fand er aber keinen Gefallen an der modernen reproduzierenden Kunst, die sein Vater ausübte, sondern ließ sich eher faszinieren vom traditionellen Reproduktionshandwerk des Stechers. In der Stadt, in der das Stecherhandwerk eine große Tradition hatte, wo das weltberühmte Bibliographische Institut von Carl Joseph Meyer zuhause war, reifte vielmehr beim jungen Karl Seizinger der Traum, ein berühmter Stecher zu werden. Zunächst besuchte er eine der vielen Schulen in seiner als "Schulstadt" bekannten Heimatstadt. Hier begann er nach seiner Schulzeit von 1903 am Kupferstich-Institut Metzeroth eine fundierte Ausbildung als Stecher. Auch nach seiner Lehre blieb er noch bis zum Jahr 1909 bei Metzeroth. Schon während seiner Ausbildung lernte er die dort tätigen Kupferstecher kennen, die insbesondere Buchillustrationen gravierten. Um sich selbst ein Bild von den in diesen Büchern abgebildeten Orten machen zu können, reisten diese oft in der Welt herum. Ihre Erzählungen weckten im jungen Karl Seizinger den Wunsch, auch selbst einmal auf diese Weise, die Welt kennenzulernen. Er selbst schreibt darüber, wie er - erst 15 Jahre alt - einen der weit gereisten Hildburghäuser Kupferstecher, den 82jährigen Plato Ahrens, traf:


"Er bat mich damals, seine Erlebnisse nach Diktat niederzuschreiben. Als ich seine fesselnden und detaillierten Berichte vernahm, kam in mir der unbändige Wunsch auf, Kupferstecher zu werden. 1903, nach Absolvierung der Volksschule, beschloss ich im Karthographischen Institut bei Metzeroth in die Lehre zu gehen. Dort arbeitete ich insgesamt sechs Jahre und erlernte das ABC der Gravur. Eine lange Zeit dauerte es, diese Kunst zu erlernen und noch weitere, um erfolgreich zu sein. Letztendlich konnte ich aber meine Jugendträume erfüllen, Banknoten und Briefmarken zu stechen."

Im Jahr 1909 verließ er zum ersten Mal seine Heimatstadt, um im Karthographischen Institut in Berlin zu arbeiten und von da aus seine große Karriere zu beginnen. Sicherlich wollte er manchmal in Hildburghausen Fuß fassen, fand aber nie in seiner Heimat die Perspektive, die er sich als Künstler erhoffte und erträumte. Denn Hildburghausen war im Laufe der Zeit als bedeutende Verlagsstadt und Standort des graphischen Gewerbes nahezu bedeutungslos geworden. Nur noch wenige Kleinbetriebe fristeten ein kümmerliches Dasein. So suchte und fand er fern von seiner Heimatstadt beruflich den Erfolg, den er sich wünschte - in Finnland, der Tschechoslowakei sowie in Jugoslawien und Kroatien. Letztmalig ließ er sich, nachdem er nach dem Krieg Jugoslawien verlassen musste, von 1946-1948 völlig mittellos in seiner Heimatstadt nieder, wo er im Haus Marienplatz 1 wohnte. Doch es hielt ihn nicht lange und er verließ 1948 seine Heimatstadt für immer, um sich in Haarlem in den Niederlanden im Alter von bereits 59 Jahren noch einmal seinen Traum als Künstler zu erfüllen. In seiner Bewerbung bei der Firma "Joh. Enschedé en Zonen" beschrieb er am 26. 8. 1947 wieder einmal seinen nicht zu bändigenden Drang in die Ferne:

"Seit 1946 lebe ich hier als freischaffender Künstler. Da mein Sinnen darauf gerichtet war, wieder ins Ausland zu gehen, habe ich bis heute weder der Reichsdruckerei noch der Postverwaltung meine Dienste angeboten."

Trotzdem blieb er seiner Vaterstadt eng verbunden und Ende der 60er Jahre - schon in hohem Alter - machte er der Stadt ein wertvolles Geschenk mit von ihm stammenden Banknoten und Briefmarken sowie gestochene Kupferplatten und Entwürfe. Zu DDR-Zeiten durften diese Dinge nicht gezeigt werden und blieben der Öffentlichkeit unzugänglich. Inzwischen sind sie im Stadtmuseum Hildburghausen Teil einer kleinen Seizinger-Ausstellung. Eine lesenswerte Broschüre, in der Seizinger über seine Arbeit zu Wort kommt, informiert über Leben und Werk des Künstlers.


Im Jahre 2005 widmete der Briefmarkenverein Hildburghausen Karl Seizinger die abgebildete Medaille


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Sehr herzlich danke ich der Stadt Hildburghausen, die mir freundlicherweise die o.a. Broschüre zukommen ließ. Besuchen Sie doch einmal Karl Seizingers Geburtsstadt Hildburghausen im Internet.