Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst




HELSINGFORS


1921: Der erste Weltkrieg ist bereits drei Jahre zu Ende. In Europa sind neue Staaten entstanden, die später in Seizingers Leben eine große Bedeutung bekommen werden - Finnland, die Tschechoslowakei und Jugoslawien. Während Seizinger Deutschland verlässt, um eine berufliche Perspektive zu haben, versucht sein Altersgenosse Hitler in Deutschland als Agitator Fuß zu fassen.
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Banknote

BANKNOTE 1000 Finnmark
der finnischen Staatsbank von 1922
entworfen von Eliel Saarinen
gestochen von Karl Seizinger


Karl Seizingers erste berufliche Station war zunächst das karthographische Institut in Berlin. Unterbrochen durch seinen Militärdienst während des 1. Weltkriegs versuchte Seizinger 1919 wieder in Deutschland beruflich Fuß zu fassen. Da aber die großen deutschen Wertpapierdruckereien damals hauptsächlich den Buchdruck verwendeten, gab es für ihn als Kupferstecher keine Perspektive. Daher bewarb er sich auf eine Stellenanzeige der neu gegründeten finnischen Staatsbank in Helsingfors/Helsinki, die ihn dann im Jahr 1921 als Banknotenstecher einstellte. So begann in Finnland seine Karriere, die ihn bis zu seinem Lebensende nur im Ausland arbeiten ließ. Der 32-jährige Seizinger erwarb sich dort schnell Anerkennung und ging als Stecher der ersten finnischen Banknote, die oben abgebildet ist, in die Geschichte ein.

Dabei bekam er gleich auf dieser ersten Station seiner Künstlerlaufbahn die Möglichkeit, mit einem herausragenden Künstler zusammenzuarbeiten, von dem er sicher viele Anregungen für seine spätere Arbeit aufnahm: dem wohl berühmtesten finnischen Künstler der Jahrhundertwende, dem Designer und später weltberühmten Architekten Gottlieb Eliel Saarinen. Geboren am 20. August 1873 in Rantasalmi war Saarinen zu dieser Zeit bereits einer der führenden Künstler der Arts and Crafts sowie Art déco Bewegung. Noch während der russischen Besatzung von Helsinki im 1. Weltkrieg entwarf Saarinen im Jahr 1917 die erste Briefmarke des bald danach von Russland unabhängigen finnischen Staates, die Anfang 1918 erschien und unter der Bezeichnung "Saarinen definitives" aufgrund ihrer unzähligen Varianten in die Briefmarkengeschichte einging. Als angesehener Künstler des Landes bekam er er auch Aufträge für Banknotenentwürfe der finnischen Staatsbank bzw. wurde als künstlerischer Berater herangezogen. Im Jahr 1923 siedelte er in die USA über und wurde dort ein gefeierter Architekt und Designer. Er starb am 1. Juli 1950 in Cranbrook, Mich., wo er auch viele Jahre an der dortigen Akademie lehrte. Saarinen besitzt somit für die finnische Philatelie eine ähnliche Bedeutung wie Alfons Mucha für die Tschechoslowakei. Selbstverständlich wurde er daher auch auf einer finnischen Briefmarke zu seinem 100. Geburtstag im Jahr 1973 geehrt, die links abgebildet ist (MiNr. 729).

In seinem Bewerbungungsschreiben für die holländischen Firma Joh. Enschedé en Zonen in Haarlem schrieb Seizinger über seine Arbeit in Finnland und den Einfluss von Saarinen folgendes:


"Die finnischen Banknoten sind ausserdem in einer Technik gestochen, die nichts mit der allgemein üblichen Technik für Banknoten zu tun haben, da sie nach dem Wunsche des dortigen Professors Saarienen (Seizinger schreibt den Namen falsch, G.B.) in einer Technik gelöst werden mussten, die seinem Entwurf nach als Bleistiftzeichnung wirken sollten."

Karl Seizinger blieb nur drei Jahre in Finnland. Als er in einem Inserat las, dass man in der Nationalbank in Prag für die neue Stecherabteilung Mitarbeiter suchte, bewarb er sich dort. Bereits 1924 erhielt er dort eine Anstellung und wurde - zusammen mit Karl Wolf, einem anderen Deutschen - der erste Stecher dieses Instituts.
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Das Bild der oben gezeigten finnischen Banknote wird verwendet mit freundlicher Genehmigung aus Ron Wise's World of Paper Money