Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst



ZAGREB I


1941: In Jugoslawien wird Prinzregent Paul durch einen Militärputsch zur Abdankung gezwungen. Hitler nutzt dies als Anlass, um in Jugoslawien einzumarschieren. Mit deutscher und italienischer Unterstützung entsteht unter der Führung des Ustascha-Führers Ante Paveliæ in Kroatien ein unabhängiger autoritär-faschistischer Staat, der mit wenigen Ausnahmen das Gebiet des heutigen Kroatiens sowie Bosnien-Herzegowina umfasste.
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Bei der Arbeit an seinen beiden letzten jugoslawischen Briefmarken hatte Seizinger die ersten Kontakte nach Zagreb geknüpft, was ihm zugute kam, als die deutsche Wehrmacht im April 1941 Jugoslawien besetzte. Seizinger stand erneut vor einer ähnlichen Situation wie 3 Jahre zuvor in der Tschechoslowakei. Und wieder wollte er nur seine künstlerischen Träume und Vorstellung verwirklichen, nutzte seine Verbindungen nach Kroatien und begab sich nach Zagreb. Dort hatte sich Kroatien am 10. April 1941 mit Unterstützung des Deutschen Reichs und Italien unter dem Ustascha-Führer Ante Paveliæ (1889-1959) für unabhängig erklärt. Mit offenen Armen nahm man einen so renommierten Stecher wie Seizinger auf, um von ihm Briefmarken für den neuen Staat stechen zu lassen.

"Ja se medu vama osjecam dobro i kao kod kuce. Da nisu tako ozbiljna vremena, bilo bi kao u zemlji slarafa."
(Ich fühle mich unter ihnen gut und wie zuhause. Wenn die Zeiten nicht so schlecht wären, wäre es wie im Schlaraffenland.)

Karl Seizinger 1943
über sein Leben in Zagreb


KATARINA ZRINSKÁ (1625-1673)
gestochen von Karl Seizinger
nach einem Entwurf
von Ivo Režek (1898-1979)
Ausgabetag: 7. Juni 1943, MiNr. 103
aus der Serie "Zrinski i Frankopan"


In Zagreb dauerte es aber zwei Jahre, bis erstmals Seizinger-Marken veröffentlicht wurden, da die Voraussetzungen für einen qualitativ hochstehende Briefmarkenproduktion zunächst nicht gegeben waren und daher erst die Voraussetzungen geschaffen werden mussten. Seizinger erhielt von der neu geschaffenen kroatischen Postverwaltung den Auftrag für die Gravur einer kleinen Serie mit den Porträts dreier Persönlichkeiten der kroatischen Geschichte aus den Geschlechter der "Zrinski" und "Frankopan". Die Entwürfe schuf der bekannte kroatische Maler und Kunstprofessor Ivo Režek, geboren 1898 in Varazdin, gestorben 1979 in Zagreb. Die drei Motive des Satzes zeigen auf der 1-Kn-Marke Katarina Zrinská (1625-1673, s. oben), auf der 2-Kn-Marke Krsto Frankopan (1643-1671) und auf der 3.50-Kn-Marke Petar Zrnski (1621-1671). Der Adelige Petar Zrinski und der Dichter Krsto Frankopan wurden im Jahr 1671 wegen ihres Widerstands gegen die Habsburger Monarchie hingerichtet. Die Dichterin Katarina Zrinská war die Schwester Krstos und die Ehefrau Petars. Für kroatische Philatelisten stellen diese Ausgaben einen der bedeutendsten Meilensteine in der kroatischen Briefmarkengeschichte dar.

Kurz nach Beginn seiner Arbeit an den Stichen zu diesem Satz gab Karl Seizinger 1943 der kroatischen Philatelisten-Zeitschrift "Hrvatska filatelistika" ein ausführliches Interview über sein Leben und seine Arbeit als Briefmarkenstecher. In diesem Interview beschrieb und zeigte er die Entwicklung einer Briefmarke vom ersten Entwurf bis zur fertigen Briefmarke am Beispiel der obigen Ausgabe. Aus diesem Artikel stammt auch die schwarz-weiß-Abbildung, die die beispielhaft Entwicklungsstufen der Zrinská-Marke dokumentieren. In diesem Interview äußert er sich auch über seinen Aufenthalt in Zagreb und antwortet auf die Frage, wie er sich denn unter den kroatischen Philatelisten fühle, mit dem oben angeführten Zitat.




Entwurf und Entwicklungsvariante der "Zrinská"-Marke von Karl Seizinger
depicted by courtesy of Tom Mikuliæ

Und es sah so aus, als ob sein Schlaraffenland wahr werden könnte. Mit der Gravur der Briefmarke zur 3. Philatelistischen Ausstellung in Zagreb 1943 erreichte er nach allgemeiner Meinung seinen absoluten künstlerischen Höhepunkt. Viele sehen diese Marke, die auf der Titelseite zusehen ist, als den besten Briefmarkenstich der internationalen Postgeschichte an. Für Spezialisten sei erwähnt, dass vom kroatischen Postministerium eine auf 15 Exemplare begrenztes Album mit dieser Marke auf einer Maximumkarte und einem Gedenkumschlag gibt, das von den beiden Künstlern der Marke - Vladimir Kirin und Karl Seizinger - signiert ist (siehe unten). Für seine künstlerischen Leistungen erhielt er in Zagreb den Professorentitel und aufgrund seiner erfolgreichen Briefmarkenstiche vertraute man ihm auch die Gravierung kroatischer Banknoten an, die aber aufgrund des Zusammenbruch des kroatischen Staates nicht mehr ausgegeben wurden. Denn wieder wird ihn bald die Geschichte einholen und seinen Traum vom Schlaraffenland zerstören. Bereits während seiner Tätigkeit in Kroatien musste er Kompromisse eingehen und sich doch mit dem ungeliebten "Dritten Reich" arrangieren. Da nämlich die technischen Möglichkeiten für den Briefmarkendruck im unabhängigen Kroatien zu dieser Zeit noch nicht gegeben waren, wurden die Briefmarken in der Staatsdruckerei in Wien (und damit aufgrund der damaligen Verhältnisse im Deutschen Reich) gedruckt. Und über diese Verbindungen zur Wiener Staatsdruckerei arbeitete er schließlich auch direkt für das "Dritte Reich", was auf der folgenden Seite geschildert wird.


© Patrice Cadot

Und die Geschichte bzw. die politischen Verhältnisse meinten es schließlich noch schlimmer mit ihm. Denn nach dem Zusammenbruch Kroatiens und der Wiederherstellung des alten Jugoslawiens gab es für ihn natürlich keine Möglichkeit mehr, in Zagreb zu bleiben. Als Deutscher musste er das Land verlassen und verlor dabei sein gesamtes Hab und Gut. Besonders schade sowohl für Sammler als auch Forscher ist dabei, dass Seizinger beim Verlassen Jugoslawiens auch seine ganzen eigenen Arbeiten verlor. Daher konnte er bei seiner späteren Bewerbung in Haarlem auch nur in sehr bescheidenem Umfang sein Können mit Vorlagen dokumentieren, was er in seinem Brief auch bedauert: "Leider sind meine ganzen Arbeiten und Drucke in Jugoslavien geblieben, da ich sie beim Zusammenbruch, bei dem ich alles verloren habe, nicht mitnehmen konnte." Völlig mittellos blieb ihm nur, - nach einem längeren Zwischenaufenthalt im österreichischen Klagenfurt - in seine Heimat nach Hildburghausen zurückzukehren, um von dort aus im Alter von 57 Jahren einen Neuanfang zu wagen.


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