Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst




PRAHA III
Monopol


1932: In Seizingers Heimatstadt Hildburghausen versucht Adolf Hitler mit Hilfe von Reichsinnenminister Frick als Gendarm angestellt zu werden, um dadurch deutscher Staatsbürger zu werden. Nach Ablehnung seines Antrags erhält Hitler die deutsche Staatsbürgerschaft wenig später in Braunschweig, die Veraussetzung dafür, Mitglied des Reichstags und dann Reichskanzler zu werden.
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Hrad Karlštejn
(Karlùv Týn)

erste Briefmarke Karl Seizingers
für die Tschechoslowakei


nach einer Vorlage von
Tavík František Šimon
1. Juni 1926, MiNr. 250


Karl Seizinger begann seine Tätigkeit 1924 in Prag als Stecher für Banknoten bei der Nationalbank. Hier arbeitete er hauptsächlich mit Max Švabinský zusammen, dessen Schüler er bald wurde. Neben seiner Arbeit an von Švabinský entworfenen Banknoten stach er wesentliche Teile einer der letzten Banknoten, die Alfons Mucha schuf. Wie auf der vorherigen Seite beschrieben war Švabinský ein sehr kritischer Lehrer und bald erkannte er auch die Schwächen Seizingers beim Porträtstich und seine Vorliebe für Landschaften. So empfahl er ihn dem Druckinstitut Unie als Stecher von Briefmarken. Zu dieser Zeit hatte die tschechoslowakische Post sich entschlossen, als Nachfolgeserie zu den Dauermarken mit dem Porträt Masaryks Briefmarken herauszugeben, die die landschaftlichen Schönheiten des neuen Staates propagieren sollten - und das war die Domäne Seizingers. Er löste 1926 seinen Vertrag mit der Staatsbank und blieb in den folgenden Jahren nur noch freier Mitarbeiter der Unie.

Man hatte sich für zunächst für vier Motive entschieden: die Burgen Karlštejn, Pernštejn und Orava sowie Kloster Strahov in Prag. Als Vorlagen dienten jedoch keine speziellen für eine Briefmarke bestimmten Entwürfe, sondern bereits existierende Bilder der zeitgenössischen Maler Tavík František Šimon und Alois Kalvoda, deren Zustimmung für die Verwendung ihrer Werke eingeholt werden musste. Weiteren Einfluss auf die Umsetzung hatten diese aber nicht. Es lag einzig und allein in Seizingers Verantwortung, die Vorlagen adäquat als Briefmarke umzusetzen. Der junge und ehrgeizige Karl Seizinger macht sich voll engagiert an seine philatelistischen Erstlingswerke. Er wich sogar von seiner üblichen improvisierenden Arbeitsweise ab und schuf für seinen ersten Stich - die Burg Karlštejn - ausnahmsweise eine detaillierte Linienzeichung. Ansonsten entstanden Seizingers Briefmarken fast durchwegs erst beim Gravieren der Platte selbst. Das Bild wurde nur in Andeutungen auf die Platte kopiert und erst beim Stechen entschied sich Seizinger, wie er die endgültigen Linien setzte. Er probierte aus und improvisierte, was ihm später den Vorwurf einbrachte, sein Stil sei "bohemistisch". Diese für ihn typische Arbeitsweise begründete er einmal folgendermaßen: "nebo to je pravá podstata rytiny. Hotová a definitivní liniová kresba, pøekopírivaná a potom vyrytá, není v podstatì tou pravou rytinou, nebo každý rytec ji mùže dorýt"
(denn das ist das echte Wesen des Stichs. Eine fertige und endgültige Linienzeichung, umkopiert und danach nachgestochen, hat in ihrem Wesen nichts mit dem echten Stich zu tun, denn jeder Stecher kann sie nachstechen). Mit dieser Arbeitsweise, die Seizinger sein ganzes Leben über beibehielt, entstanden eigenständige Kunstwerke Seizingers, denn er allein entschied, wie seine Vorlagen endgültig als Briefmarke auszusehen hatten.

Er benutzt sehr häufig und auch gern photographische Vorlagen und wenn ihm Werke eines Künstlers zur Vorlage dienten, arbeitete er in der Regel eigenständig und ohne sich mit dem Künstler zu konsultieren, wie beispielsweise bei den ersten vier Motiven der Landschaftserie (MiNr. 245-252), den beiden Ausgaben "Prag" und "Tatra" (MiNr. 253-256) und später bei den Motiven "Levoèa" (MiNr. 268), "Velehrad" (MiNr. 272), "Brno (MiNr. 273/291), "Vysoké Tatry I" (MiNr. 274) und "Teynkirche" (MiNr. 276/293) aus der Jubiläumsserie von 1928. Professionelle oder Amateurphotos lagen ihm vor für die Ausgaben "Hradec" (MiNr. 267), "Jašina" (MiNr. 270), "Hluboká" (MiNr. 271), "Vysoké Tatry II" (MiNr. 292), "Telegraphenamt in Prag" (MiNr. 260) und "Malá straná" (MiNr. 294). Nur Schritt für Schritt beschäftigte sich Seizinger auch mit Motiven, die keine Landschaften zeigten. So versuchte er sich 1928 erstmals an einem Porträt, das Präsident Masaryk zeigt und dem ebenfalls ein Photo zugrunde lag. Hier versicherte er sich aber der Hilfe seines großen Lehrers Švabinský. Ein Jahr später schuf er mit der Serie zum 1000. Todestag des heiligen Wenzel erstmals Briefmarken mit figuralen Szenen (MiNr. 283-287). Hier kann Karl Seizinger auch für sich in Anspruch nehmen, dass er als erster Bilder großer tschechischer Maler der Vergangenheit auf Briefmarke umsetzte - und zwar von MikolᚠAleš, Josef Mánes und Felix von Jenewein.

Zunächst in der Fachwelt, bald darauf aber auch bei den Sammlern von Briefmarken, erreichten Seizingers Arbeiten höchste Anerkennung und Beliebtheit. Sowohl die Postbehörden als auch die Druckerei entschieden sich immer wieder für ihn, wenn es um die Gestaltung neuer Ausgaben ging, so dass Seizinger bis Anfang der 30er Jahre quasi ein Monopol bei den tschechoslowakischen Briefmarken hatte. Sein Arbeitsstil setzte Maßstäbe, so dass insbesondere die Druckerei Unie es nicht wagte, Stiche anderer für den Druck zu verwenden, weil man nur mit dem festen und klaren Strich von Seizingers Stich die Sicherheit zu haben glaubte, dass der Druck auch gelingt. Ein einziges Mal wurde im Jahr 1929 eine Ausnahme gemacht, als man für das fünfte Motiv der "Hrady, krajiny, mìsta"-Serie mit dem Prager Nationalmuseum (MiNr. 289) den französischen Stecher Abel Mignon den Stich ausführen ließ. Mehr dazu in der Abteilung "Tradice". Seizinger selbst war offenbar nicht eingeweiht - und letztlich war es ihm auch gleichgültig - , denn noch in den 70er Jahren wusste er nicht, wer der Stecher dieser Ausgabe war. In der Rückschau muss diese Ausnahme als Beginn vom Ende des Stecher-Monopols Seizingers angesehen werden.

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