Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst



BELGRAD


1939: Mit dem Überfall auf Polen löst Hitler den zweiten Weltkrieg aus. Seizinger muss in seinem neuen Lebensumfeld in Belgrad den Kriegstod seines Sohnes Heinz betrauern. In Jugoslawien regiert seit der Ermordung von Königs Alexander durch kroatische Ustascha-Terroristen im Jahr 1934 für dessen minderjährigen Sohn Peter II. der Prinzregent Paul.
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Vergrößerter Ausschnitt aus der jugoslawischen Briefmarke
Steintor in Zagreb
auf dem Seizingers Stecherzeichen zu erkennen ist.
depicted by courtesy of Tom Mikuliæ

Nach dem Verlassen der Tschechoslowakei war in Seizingers wechselvoller Berufskarriere Belgrad die nächste Station, wo er spätestens im November 1938 eintraf. Der Beleg hierfür ist eine Ansichtskarte vom 24. November 1938 an seinen Prager Freund Jaroslav Goldschmied. Der Inhalt dieser Karte zeigt, dass es ihm nicht ganz leicht fiel, in der neuen Umgebung Fuß zu fassen. So schreibt Seizinger, dass es an seiner neuen Wirkungsstätte nichts zu kaufen gebe, was er für Graphiken brauche. Da ihm Goldschmied beim Verlassen Prags offenbar Hilfe beim Aufbau einer neuen Existenz im Ausland versprochen hatte, bat er ihn, die Hilfsmittel für seine graphische Arbeit zu besorgen. Gleichzeitig scheint er auch dem Leiter der staatlichen Aufsichtsbehörde für die Druckerei Unie, Janas, geschrieben zu haben, der ihm Metallplatten für seine Stiche besorgen sollte, was er ebenfalls auf der Karte erwähnt.

Es sollte sich aber bald zeigen, dass der Aufenthalt in Belgrad nur ein kurzes Intermezzo in seiner beruflichen Karriere sein sollte. Zunächst dauerte es fast ein Jahr bis von Seizinger wieder eine Briefmarke veröffentlicht wurde. Am 6. September 1939 - also kurz nach Beginn des zweiten Weltkriegs - erschien ein Briefmarkensatz mit insgesamt 4 Schiffsmotiven aus seiner Feder. Nach seinen eigenen Aussagen sind dies "die ersten Marken in Kupferstich auf dem Balkan".

Ein zweiter Satz mit zwei Motiven aus Zagreb folgte am 16. März 1941. Diese sollten aber bereits die letzten Marken Seizinger für Jugoslawien sein und ihre Geschichte dokumentiert die turbulenten Tage der Besetzung Jugoslawiens durch das Deutsche Reich und Italien sowie die Gründung des neuen kroatischen Staates. Denn die Marken wurden nicht nur die letzten Ausgaben Jugoslawiens, sondern gleichzeitig die ersten des neuen Staates Kroatien. Die beiden Werte waren als Zuschlagsmarken zur Finanzierung der vom 16.-24. März 1941 geplanten Briefmarkenausstellung in Zagreb vorgesehen. Parallel dazu sollten die Marken mit vertauschten Farben auch für die vom 13.-20. April 1941 geplanten Ausstellung in Slovanski Brod erscheinen. Genau zwischen den beiden Terminen lag - nach der Besetzung des alten Jugoslawien - am 10. April die Unabhängigkeitserklärung Kroatiens. Wegen der kriegerischen Auseinandersetzung wurde die Ausstellung in Slovanski Brod abgesagt und die 80.000 gedruckte Marken wurden an das Zentralpostamt in Zagreb abgegeben, wo sie verkauft werden durften - entweder zur Nutzung in der Provinz um Zagreb oder mit einem Überdruck der neuen Staatsbezeichnung in Kroatien. Insgesamt wurden 56.000 mit dem goldenen Aufdruck "Nezavisna Država Hrvatska" (Unabhängiger Staat Kroatien) überdruckt, der Rest existiert in der Originalform. Es kamen jedoch relativ wenige Marken in den tatsächlichen Umlauf, weil die Behörden bald die Verkaufsaktion stoppten und die Gültigkeit der Marken bis zum 1. Juli 1941 begrenzten.

Seizingers für Jugoslawien gestochene Briefmarken setzten eine Besonderheit fort, die bereits die meisten seiner tschechoslowakischen Briefmarken kennzeichnete. Er versteckte im Markenbild sein Stecherzeichen, meist ein großes "S", manchmal auch seine Initialen "KS". Auf der obigen Abbildung, die einen vergrößerten Ausschnitt der rechts im Original gezeigten jugoslawischen Briefmarke mit dem Steintor in Zagreb (MiNr. 437) zeigt, findet man das große "S" beispielsweise neben einem Fenster (durch den Kreis gekennzeichnet). Im Unterschied zu früher signierte Seizinger sowohl in Jugoslawien als auch später in Kroatien meist aber nur eine einzige Marke eines Schalterbogens. So findet sich das hier gezeigte Beispiel nur auf der 6. Marke eines jeden Bogens. Selbstverständlich sind diese so "signierten" Marken äußerst gesucht und natürlich auch wertvoll. Falls Sie sich den Spaß machen wollen, Seizingers Stecherzeichen in seinen Briefmarken zu finden, kann Ihnen die Übersicht im 4. Teil des Katalogs der Seizinger-Marken behilflich sein.


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Vielen Dank an Tomislav Mikuliæ für die Erlaubnis, Bilder von seiner Briefmarken-website über Karl Seizinger auf dieser und der nächsten Seite verwenden zu dürfen. Tom, der in Australien lebt, ist übrigens Co-Autor und Mit-Entwerfer der ersten kroatischen Freimarke nach der neu gewonnenen Unabhängigkeit im Jahr 1991, erschienen am 15.1.1992 (MiNr. 186). Er unterhält auch eine eigene Seite zu Karl Seizinger, auf der das auf der nächsten Seite erwähnte komplette Interview mit Karl Seizinger in kroatischer Sprache zu finden ist.