Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst



PRAHA V
Fiala


1938: Nach dem Münchener Abkommen, in dem die Tschechoslowakei gezwungen wird, das Sudetenland an Deutschland abzutreten, marschiert die deutsche Wehrmacht am 1. Oktober in die Randgebiete der Tschechoslowakei ein. Das Sudetenland wird Teil des Deutschen Reiches.
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"Auch ich wurde einmal vor die Aufgabe gestellt, Gruppen von 35 Personen auf zwei Marken zu bringen, ... . Die Arbeit wurde insofern erschwert, weil die meisten Personen noch lebten. Einen Kopf kleiner als eine Stecknadel und dann noch Porträtähnlichkeit zu erreichen, das war eine brisante Aufgabe."

Karl Seizinger

(zur Entstehung der abgebildeten Briefmarke)


Vereidigung von Legionären in Kiew
gestochen von Karl Seizinger
nach einem Entwurf von Václav Fiala
Ausgabetag: 15. August 1934, MiNr. 322


Obwohl Seizingers Arbeiten für die tschechoslowakische Post im In- und Ausland hohe Anerkennung fanden, hörte jedoch auch die Diskussion nicht auf, ob diese mehr oder weniger nur reproduzierende Art, Briefmarken zu gestalten, hohen künstlerischen Ansprüchen gerecht werde. Immer wieder warf man Seizinger direkt oder indirekt vor, dass er der Zusammenarbeit mit anerkannten Künstlern aus dem Weg gehen würde. Und so suchte er den Kontakt zu seinem früheren Mitschüler von Švabinskýs Graphikschule und inzwischen renommierten Maler und Graphiker Václav Fiala und bezog diesen 1934 erstmals bei der Gestaltung von Briefmarken als Partner ein, zunächst nur für die Gestaltung des Rahmens seiner Smetana-Marke. Damit begann auch Seizinger immer seltener lediglich die Bilder alter Meister oder Photographien mehr oder weniger passiv auf Briefmarken umzusetzen. Ob dies auch in der zunehmenden Konkurrenz durch Heinz begründet war oder ob ihn die geäußerte Kritik an seinen eigenen künstlerischen Fähigkeiten dazu veranlasste, mag dahingestellt bleiben.

Václav Fiala (1896-1980) war auch Seizingers ganz persönlicher Freund und die beiden Familien hatten enge Beziehungen zu einander, die viele Jahre lang anhielt. Um Fiala und seine Frau zu besuchen, wagte sich Seizinger sogar im Jahr 1944 wieder nach Prag, das er 6 Jahre vorher verlassen hatte. Fiala schuf die vier Entwürfe für eine Serie zum 20. Jahrestag der Gründung der sog. "Tschechoslowakische Legion" (ein Beispiel daraus siehe oben). Mit dieser Zusammenarbeit begann eine bis heute anhaltende Tradition, tschechische und slowakische Briefmarken durchwegs aus dem Zusammenspiel der Inspiration des entwerfenden Künstlers und der handwerklichen Fertigkeiten des Stechers entstehen zu lassen. Diese Tradition wird bis in die heutigen Tage durchgehalten. Wie Seizinger im obigen Zitat betont auch Fiala in seinen Erinnerungen die anspruchsvolle Aufgabe, insbesondere eine möglichst photographische Exaktheit der Szenen zu erreichen. Aus ihrer gemeinsamen Studienzeit kannten sie sich auch in künstlerischer Hinsicht gut und das gemeinsame Werk gelang hervorragend. Besonders wird gelobt, dass trotz des kleinen Formats teilweise die Abgebildeten eindeutig namentlich identifizierbar sind.

Offenbar war bei den Marken zur Tschechoslowakischen Legion auch Bohumil Heinz in die Überlegungen einbezogen, letztlich aber doch nicht berücksichtigt worden. So schreibt Fiala, wie die Druckerei schließlich dem erfahrenen Seizinger den Vorzug gab: "Uvažovalo se o dvou rytcích, kteøí by byli schopni tuto nároènou práci výryt, byli to Seizinger a mladý rytec Heinz. Unie dala nakonec pøednost zkušenìjšímu Seizingerovi, a to proto, že jeho zpùsob rytí spíše zaruèoval dobrý výsledek v tisku. Heinz udivoval jemností své rytecké techniky; bylo tu však nebezpeèi, že kladl èáry pøíliš hustì a v tiskarnì se obávali, že mùže dojít ke slití èar, zkušenosti tu ještì nebyly."
(Man dachte an zwei Stecher, die fähig gewesen wären, diese anspruchsvolle Aufgabe zu stechen, es waren dies Seizinger und der junge Stecher Heinz. Die Unie gab schließlich Seizinger den Vorzug, und zwar deswegen, weil seine Art zu stechen eher guten Erfolg beim Druck garantierte. Heinz setzte mit der Feinheit seiner stecherischen Technik in Erstaunen; es erschien ihr aber gefährlich, dass er die Striche ziemlich dicht anlegte und in der Druckerei befürchtete man, dass es zu einem Zusammenfließen der Striche kommen könnte, Erfahrungen fehlten noch). Es darf angenommen werden, dass Seizinger in diesem Zusammenhang sicher seine guten Beziehungen zur Druckerei spielen ließ, um die dortige Unsicherheit zu fördern. Denn später stellte sich heraus, dass es auch mit dem feineren Stich von Heinz keinerlei Probleme beim Druck gab.

Weitere Künstler, die ab Mitte der 30er Jahre mit Seizinger zusammenarbeiten waren, Karel Vik (MiNr. 351-359, 384, 385, 401), Vladimír Silovský (MiNr. 400) und Jan Charles Vondrouš (MiNr. 375, 376, 398, 399). Zwar wurde durch den Einfluss seiner Partner Seizingers eigenständige Gestaltung etwas eingeschränkt, seine improvisierende Arbeitsweise behielt er jedoch bei. Dieser spezielle Arbeitsstil Seizingers wird auf einer weiteren Seite genauer beschrieben.

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