Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst



LEBENSWERK

Vysehrad

STÁTNÍ ZNAK ÈESKOSLOVENSKA
(Staatswappen der Tschechoslowakei)

gestochen von Karl Seizinger
Ausgabetag: 10. April 1929, MiNr. 280

Mit einer Auflage von beinahe 1 Milliarde (911 Millionen) Stück ist das Staatswappen das am weitesten verbreitete Motiv einer Seizinger-Briefmarke

Das Originalwappen wurde von Alfons Mucha gestaltet und mit Gesetz vom 18. März 1920 eingeführt. Es zeigt in der Mitte den golden bekrönten, silbernen, zweischwänzigen böhmischen Löwen auf rotem Grund. Links oben ist das silberne Patriarchenkreuz über drei blauen Bergen auf rotem Bild als Symbol der Slowakei zu sehen. Die übrigen Felder symbolisieren die restlichen Landesteile: rechts oben das Wappen der Karpathen-Ukraine und unten links den mährischen und rechts den schlesischen Adler.

Das Wappen wurde während der deutschen Besatzung durch ein geändertes ersetzt, aber mit Dekret 91/1945 von Präsident Beneš am 1. November 1945 in der ursprünglichen Form wieder übernommen. Es blieb bis zur Einführung einer neuen Verfassung am 18. September 1960 gültig, als auch ein neues Staatswappen eingeführt wurde. Es ist somit fast eine Ironie der Geschichte, dass die kommunistische Tschechoslowakei lange Zeit unter einem gekrönten Löwen regiert wurde und mit dem Wappen der Karpathen-Ukraine, die bereits seit 1945 zur Sowjetunion gehörte.

Obwohl in den meisten Katalogen als "Großes Staatswappen" bezeichnet, ist auf der Briefmarke nur das sog. "mittlere Wappen" abgebildet. Das tatsächliche große Staatswappen, das zusätzlich auch die Wappen von Teschen, Troppau und Ratibor enthielt, war den hochoffiziellen Anlässen vorbehalten und wurde weder auf Briefmarken noch auf Banknoten oder Münzen abgebildet.

Am Anfang und am Ende von Karl Seizingers Stecherkarriere standen Banknoten. Von 1921-1926 und von 1951 bis zu seinem Ausscheiden aus dem Beruf im Jahr 1961 stach er für die verschiedensten Länder Banknoten, so z.B. für Finnland, die Tschechoslowakei, Syrien, Neuguinea und später für die holländischen Kolonien Niederländisch Antillen, Curacao und Indonesien. Nicht mehr veröffentlicht wurde Banknoten für den kroatischen Staat während des 2. Weltkriegs

Briefmarken gestaltete und stach Karl Seizinger insgesamt 25 Jahre lang - von 1926 bis 1951. Seine erste zeigt die Burg Karlštejn und erschien am 1. Juni 1926, auf seinen beiden letzten ist das UNO-Gebäude in New York zu sehen. Die zweite dieser UNO-Marken erschien am 16. November 1951.

Während dieser Zeit wurden insgesamt 78 unterschiedliche Bildmotive aus seiner Feder auf Briefmarke veröffentlicht: 60 in der Tschechoslowakei, 6 in Jugoslawien, 10 in Kroatien sowie je eine in Portugal und für die Vereinten Nationen in New York. Vier als Briefmarken gedruckte, aber nicht veröffentlichte Motive existieren von ihm für das Generalgouvernement und weitere vier unveröffentlichte Motive für die Tschechoslowakei sind bekannt, von denen es nur Probedrucke gibt. Die als Briefmarken gedruckten Motive führten zu insgesamt 193 Briefmarkenvarianten (im Katalog auf der folgenden Seite nach dem Michel-Katalog ermittelt), unterschiedliche nach Wertstufen, Farben, Zähnung oder Wasserzeichen (aber ohne diverse Sub-Varianten), sowie 3 Blöcke und ein Kleinbogen. Nicht mitgezählt sind hierbei die überdruckten Seizingermarken, die als Lokalausgaben im Sudetenland erschienen sowie die während des Kriegs in verschienenen Blöcke der tschechoslowakischen Exilregierung enthaltenen Seizinger-Marken.

Von seinen Briefmarken erhielt Seizinger in der Tschechoslowakei nach eigenen Angaben jeweils einen Viererblock. Im Laufe seines turbulenten Lebens gingen diese Briefmarken durchwegs verloren. Ebenso verschwanden Entwürfe, Zeichnungen oder Probedrucke seiner tschechoslowakischen Marken. So konnte Seizinger bei seiner Bewerbung in Haarlem lediglich einen einzigen Probedruck aus seiner tschechoslowakischen Phase beifügen, den Probedruck eines Stiches des Mánes-Bildes "Josefina", der offenbar für eine Banknote bestimmt war. Ansonsten enthielt diese Vorlagemappe nur Beispiele kroatischer Marken und der unveröffentlichten Ausgaben des Generalgouvernements. Die wenigen ihm verbliebenen Unterlagen aus seinem Schaffen überließ er Ende der 60er Jahre seiner Heimatstadt Hildburghausen, wo sie heute im Stadtmuseum zu sehen sind.

Seine übrigen Arbeiten gelangten auf bisher unbekannten Wegen in den Besitz privater Sammler, so z.B. Arthur I. Kessler, Max Mahr oder James Matejka. Diese Sammlungen belegen, dass Seizinger offenbar sehr intensive Vorarbeiten zu seinen Briefmarken geleistet hat. So existieren beispielsweise für jede Marke oft sehr viele Entwurfszeichnungen, z.B. insgesamt 17 unterschiedliche Originalvarianten für jede der beiden Tyrš-Marken unterschiedlich nach Rahmen, Text, Nominale oder Bemerkungen von Seizinger. Auch von seinen sehr populären Flugmarken existieren in den angesprochenen Sammlungen 25 Zeichnungen von Entwurfsvarianten. Darüber hinaus werden in der Literatur genannt: 6 Entwurfsskizzen der Smetana-Marke, je 4 Entwürfe zur Nitra- und Arras-Ausgabe und 4 Tuschezeichnungen zu den Fiala-Entwürfen der Legions-Marken, 5 Tuschezeichnungen zur Ausgabe "Kde domov mùj". Hinter Seizinger vordergründig improvisierendem "bohemistischen" Stecherstil stand also harte Vorarbeit.

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